Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
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Gleise wie ein Fächer in die Welt
Wenn die Puhdys derzeit ihre 40 Jahre Bandgeschichte feiern, können sie sich darauf verlassen, dass ihre Fans das neue Album kaufen und Tausende die Konzerte besuchen – 14 000 kamen allein zum Neujahrskonzert nach Berlin. Als Renft im vergangenen Jahr sogar auf 50 Jahre verweisen konnte, gab’s weder ein neues Album, noch große Konzerte. Und bei den kleineren stand mit Thomas Schoppe nur noch einer von den alten Bandmitgliedern auf der Bühne.
Denn während die Puhdys heute als die Bannerträger des Ostrock schlechthin umjubelt werden, wurde ihr alter Konkurrent aus den Anfangstagen des DDR-Beat vom Schicksal regelrecht zerrissen. Nicht nur weil Renft 1975 schon verboten wurde und auch nach der Wende dank interner Querelen kaum an die alte große Form anknüpfen konnte. Sondern vor allem, weil der Tod gnadenlos zuschlug. 1998 starb Texter Gerulf Pannach an Krebs, 2005 Pjotr Kschentz, 2006 Namensgeber Klaus Renft. Neu-Mitglied Heinz Prüfer kam 2007 bei einem Unfall ums Leben, als er von einem Konzert nach Hause fuhr. Im Oktober 2008 erlag Peter „Cäsar“ Gläser dem Krebs.

„Legenden sterben nie“ heißt es so trotzig wie tapfer auf der Renft-Internet-Seite. Legende – hier passt dieser oft gedankenlos verwendete Begriff tatsächlich. Denn Renft verstand es zu Beginn der 70er, den neu gewonnenen Rock-Freiraum kühn auszuschreiten, musikalisch Ungewohntes zu testen und in den Texten wider den sozialistischen Stachel zu löcken.

Renft-Konzerte umwehte der Ruch von Anarchie, von Unkalkulierbarkeit, musikalischer Wucht. Songs wie „Zwischen Liebe und Zorn“ oder „Nach der Schlacht“ sprachen ziemlich unverblümt davon, dass die sozialistische Realität ziemlich weit entfernt ist vom Paradies auf Erden. Dass die Musiker dennoch immerhin zwei Platten aufnehmen durften, dass ihr schlitzohriges „Ketten werden knapper“ 1973 gar zum offiziellen Weltfestspiel-Lied gekürt wurde, kann nur mit dem kurzen kulturpolitischen Tauwetter erklärt werden, das von Honeckers Machtübernahme ausging – nur um von einer umso kälteren Eiszeit abgelöst zu werden.

Das Damoklesschwert des Spielverbots schwebte früh über der Combo. Trotz Hitparaden-Platzierung und Amiga-Platten geriet sie ins Visier, weil sie nicht aufhörte, Texte von Gerulf Pannach zu verwenden, ihn gar mit noch viel aufrührerischeren eigenen Liedern solo bei ihren Konzerten auftreten ließ.

Um ein Auftrittsverbot für Pannach scherte sich die Band so wenig, wie sie sich im Laufe der Zeit drauf einlassen wollte, Texte zensieren zu lassen. Als die Musiker Songs über Republikflucht und Wehrdienstverweigerung produzieren wollten, befand der Staat das Maß für voll. Auf das Verbot von 1975 folgten Verhaftungen, Ausreisen, Totschweigen.

Einer weckte freilich noch einmal Erinnerungen: Cäsar Gläser sang mit seiner typischen tiefnasalen Stimme bei Karussell deren ersten Hit „MacDonald“. Später hatte die Band „Besinnung“ im Programm und „Autostop“, das war ein paar Jahre vorher mit anderem Text schon in Renft-Konzerten zu hören gewesen. Ansonsten aber musste zwangsläufig die Legendenbildung beginnen: Von Renft kursierten Erzählungen vom Hörensagen, die vielfach auf Kassette kopierten Platten und vielleicht noch ein Amateur-Konzertmitschnitt.

Etliche Versuche, die Legende wieder ins Hier und Heute zu holen, sind nach der Wende weitgehend gescheitert. Während die allmählich einsetzende Ostalgie zahlreiche Karrieren wiederbelebte, fand Renft nie wieder komplett zusammen. Zeitweise zogen zwei konkurrierende Combos durchs Land, manche Konzerte gerieten zur eher peinlichen Abspielstation alter Hits in schwacher Neufassung.

Von der kurzen Zeit der offiziellen Renft-Karriere künden heute vor allem Spuren im Internet. Denn wenn schon die Fans von einst nicht mehr in den Genuss großer Renft-Konzerte kommen können, so erweisen sie ihren alten Helden auf andere Weise ihren Respekt. In den einschlägigen Videoportalen wie Youtube finden sich Songs zuhauf, die fantasievoll bebildert wurden: „Apfeltraum“ mit Blumen, „Nach der Schlacht“ mit alten Autogrammkarten. Eine animierte Bleistift-Zeichnung untermalt Cäsars Adaption von „Lady Jane“ 1973 im Berliner Plänterwald.

Cäsar übrigens hat nach der Wende nur sporadisch mit den alten Weggefährten gespielt, ist nie zur Band zurückgekehrt. Er war wohl zu sehr „Wandersmann“, wie einer seiner frühen Renft-Hits hieß. Ein Vollblutmusiker, genialer Gitarrist und Songschreiber, der Abschied und Weitergehn suchte, die „Gleise wie ein Fächer in die weite Welt“. Die jetzt erscheinende Kompilation „Wer die Rose ehrt“ fasst einige seiner besten Songs zusammen. (Von Gerd Dehnel)



51 Jahre Renft

- 1958 gründet Klaus Renft - eigentlich Klaus Jentzsch, seine Mutter liefert den Künstlernamen - in Leipzig seine erste Combo. Die wird 1962 verboten. 1964 Nachfolger „Butlers", Verbot 1965.

- 1967 startet die Klaus Renft Combo neu mit Gerulf Pannach als Texter. 1971 die ersten Rundfunkaufnahmen in der Besetzung Klaus Renft (Bass), Peter „Cäsar" Gläser (Gitarre, Gesang), Thomas „Monster" Schoppe (Gesang), Christian „Kuno" Kunert (Keyboard, Gesang), Peter „Pjotr" Kschentz (Gitarre, Saxofon), Jochen Hohl (Drums).

- Die ersten Hits stammen von Cäsar: „Wer die Rose ehrt", „Zwischen Liebe und Zorn", „Cäsars Blues". Später komponieren zunehmend Schoppe und Kunert, etwa „Nach der Schlacht", „Gelbe Straßenbahnballade".

- 1975 letztes Konzert am 11. September in Zeitz. Pannach und Kunert werden inhaftiert und in die BRD abgeschoben. Renft reist mit seiner griechischen Ehefrau aus.

- Um das Erbe kümmert sich heute im Wesentlichen Bodo Strecke mit seinem Label Marktkram in Müncheberg (Oder-Spree): 1999 produziert er „Als ob nichts gewesen wär", 2003 die Raritäten-CD „Unbequem woll'n wir sein", 2008 „Abschied und Weitergehn" sowie Lesungen von Renft und Kunert.

- Heute als Renft unterwegs: Monster Schoppe, Marcus Schloussen (Bass), Gisbert Piatkowski (Gitarre), Delle Kriese (Drums). gde (31.01.2009)
[Märkische Allgemeine]
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