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Unliebsam und bisweilen verboten: Zum Tode von Klaus Renft
Es war ein zorniger junger Mann, der 1958 den Weg zur Musik fand. Geprägt von der Beat-Bewegung, die aus dem Westen in die DDR herüberschwappte, gründete Klaus Jentzsch mit 16 zum ersten Mal eine Band mit dem Namen "Klaus Renft Quintett". Sein Künstlername: der Mädchenname seiner Mutter.
Diabolischer Beat
Der Beat war es, dem sich der Musiker Klaus Renft verschrieben hatte, und der Beat war es, der ihm schnell Ärger mit den politischen Machthabern einbrachte. Denen schienen lange Haare, wildes Tanzen, kreischende Mädchen und lautes „Yeah, yeah, yeah“ suspekt, ja geradezu diabolisch. Das sozialistische Bild der Jugend sollte anders aussehen. Vier Jahre nach Gründung erhielten Renft und sein Quintett Auftrittsverbot - weitere sollten folgen.

Doch die Zeiten änderten sich: mit dem Deutschlandtreffen der Jugend 1964 hielt eine vorübergehende Offenheit in das Ulbricht-Land Einzug. Die Beatbewegung hatte den Durchbruch geschafft. Klaus Renft gründete im selben Jahr noch "The Butlers" und spielte auf dem Deutschlandtreffen. "Es waren ein paar Tausend Menschen da. Da fingen wir an mit einem Rolling-Stones-Titel. Und es war eine Euphorie, das kann sich keiner vorstellen...fast eine Massenhysterie! Wir waren doch auf so etwas überhaupt nicht vorbereitet. Wir waren ja von der Provinz. Zwischen Leipzig und Berlin war ja immerhin ein großer Unterschied", schwärmte Renft später.

Leipziger Beatkrawalle gegen Verbot
Die Freude währte jedoch nur kurz. Nach den legendären Krawallen in der Berliner Waldbühne im Zuge eines Rolling Stones Konzertes verschärfte sich auch in der DDR wieder der Kurs gegen den Beat. Den Musikern wurde "rowdyhaftes Verhalten" und "Gammlertum" vorgeworfen, die Butlers 1965 verboten. Die Folge: die so genannten Leipziger Beatkrawalle, bei denen Jugendliche gegen das Beatverbot demonstrierten.

Die Betonköpfe in der DDR-Kulturverwaltung prägten das weitere musikalische Schaffen von Klaus Renft. Nach dem Dazustoßen des Texters und Liedermachers Gerulf Pannach zur Renft-Combo wurde der Staat zur Reibefläche für die Band. Es entstanden mehr und mehr Texte, die zeigten, dass Klaus Renft kein braver Staatsbürger sein wollte.

Offene Kritik - so weit als möglich
Im Zuge einer neuerlichen Liberalisierung der DDR-Kulturpolitik erhielt die Renft-Combo ab 1971 wieder Auftrittsmöglichkeiten. Und schnell fand sie ihr neues altes Publikum. Doch diesmal war es nicht nur der Rock, der die Jugend zum Konzert strömen ließ, sondern auch die Texte. Renft und Pannach versteckten ihre Kritik weitaus weniger zwischen den Zeilen, als es andere DDR-Bands der 70er Jahre taten.

Worte wie "Irgendwann will jeder aus seiner Haut", "Ketten werden knapper/Und brechen sowieso" sprechen für sich. Der Song "Glaubensfragen" greift das offiziell totgeschwiegene Thema der Bausoldaten an. Die "Rockballade vom kleinen Otto" erzählt unverhohlen von einer missglückten Republikflucht, die im Tod endet.

Die große Zeit der Combo waren die frühen 70erJahre: sie loteten die Grenzen der Tauwetterperiode in der Kulturpolitik der SED konsequent aus. 1973 und 1975 konnte die Band ihre beiden einzigen DDR-Platten auf dem Staats-Label AMIGA veröffentlichen. 1973 trat die mittlerweile sehr populäre Band bei den Weltjugendfestspielen in Berlin auf. Ihre Platten verkauften sich hunderttausendfach - und die live gesungenen Textzeilen wurden bissiger. Aber auch dieses Mal war der Traum von künstlerischer Freiheit schnell wieder ausgeträumt.

Flucht aus der Repression
1975 waren die schmalen Grenzen des Systems erneut erreicht. Zuerst erhielt Gerulf Pannach Auftrittverbot. Doch Renft ließ ihn in seinen Konzertpausen auftreten. Kurze Zeit später folgte auch das Aus für die Renft-Combo, die immer wieder unautorisierte Songs spielte. Die Folge: Klaus Renft reiste 1976 in den Westen aus.

Es war vor allem diese Ausreise, die Klaus Renft zur Rock-Legende „Made in GDR“ machte. Er musste sich nicht mehr der DDR-Kulturpolitik zwischen Repression und Offenheit stellen. Er brauchte sich nicht mehr anpassen. Seine Lieder hatten eine ganze Generation geprägt, die sie immer und wieder sang. Im Westen hingegen veröffentlichte er keine neuen Songs mehr.

Selbstverständnis der Combo
Die Band verstand sich immer als "ein Haufen Individualisten, als eine bunt gewürfelte Truppe der Unberechenbaren," wie Renft später schrieb. Für ihn selber war der Haufen ein "struppig-anarchisches Projekt, eine Lebensauffassung", die auch von den Spannungen zwischen den Mitgliedern lebte. Oft waren die Texte umstritten, die Pannach einbrachte. Renft hatte die Erfahrungen der 60er Jahre noch im Kopf. Nicht selten stand die Band vor ihrer Auflösung, aber auf der Bühne waren sie alle wieder eins. Wild, anarchisch und unangepasst.

Neue Tour nach langer Pause
Kaum war die Mauer gefallen, kehrte Renft in die zusammenbrechende DDR zurück. 1990 fand sich die Band zu einer Reunion-Tour zusammen. Sein Publikum hatte Renft in den 14 Jahren seiner Abwesenheit nicht verloren. Nur logisch, dass das nach 25jähriger Pause 1999 veröffentlichte Album "Als ob nichts gewesen wäre" hieß. Auch wenn sich Renft den Marktbedingungen stellen musste, sein Publikum fand er immer - laut, exzessiv und immer geradeheraus, so waren seine Konzerte bis zum Schluss.

Im Jahr 2000 diagnostizierten die Ärzte bei Klaus Renft Krebs. Er machte weiter, rauchend und trinkend und die halbe Nacht auf der Bühne stehend. Freunde warnten ihn vor diesem Lebensstil. Für ihn war es "einzige Freude im Leben", wie er in einem Interview zugab. Eine Freude, die er noch sechs Jahre auskosten konnte, bis zu seinem Tod am 9.Oktober 2006 – wenige Tage vor seinem nächsten Konzert.

Liederabend zum Gedenken
Zum Gedenken an Klaus Renft findet am Samstag, 14. Oktober, ab 21 Uhr ein Liederabend im Oderspeicher in Frankfurt/Oder statt. Organisiert wird der Abend von seinem Freund und Musikkollegen Andreas Schirneck, der erst im Januar gemeinsam mit Renft auf der Bühne des Clubs stand. Schirneck möchte sich bei der Veranstaltung mit Renft und seinen Liedern auseinander setzen. Ein Muss für alle Brandenburger Renft-Fans - auch wenn es, gemäß dem Anlass, wohl nicht so fröhlich und ausgelassen zugehen wird, wie es die Fans des Rockmusikers von seinen Konzerten gewohnt waren.

Wolfgang Porsche (13.10.2006)
[Rundfunk Berlin-Brandenburg]
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