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Aufruhr in der Provinz
Der Neustädter Renft-Club - Zum Tod von Klaus Renft (30. Juni 1942 - 9. Oktober 2006) - Teil I
Von Jan Schönfelder Neustadt (OTZ). Am 9. Oktober 2006 ist nach langer, schwerer Krankheit die DDR-Rocklegende Klaus Renft im Alter von 64 Jahren verstorben. Der Musiker hatte seine Heimat in Ostthüringen. Bei Jena wuchs Klaus Jentzsch, so sein bürgerlicher Name, auf und in Löhma bei Schleiz verbrachte er seine letzten Lebensjahre. Hier in Ostthüringen hatte er auch seine Fans. Die als "Gammler" verschrieenen Beatfans waren der Schrecken für brave DDR-Bürger. Mit der Musik von Renft kam der Aufruhr in die Provinz. Auch nach Neustadt.
Der Neustädter Fasching wird unterwandert! Mit dieser Nachricht schreckt im Februar 1970 die politische Abteilung der Kriminalpolizei Zeulenroda ihre Kollegen in Pößneck auf. "Operativ interessante" Jugendliche aus Zeulenroda und Neustadt hätten die Faschingsveranstaltungen genutzt, um ein Clubtreffen zu tarnen. Mitgliedsbedingung in dem unbekannten Club sei die Sympathie zu "dekadenter Lebensweise". Die Polizei wörtlich: "Verschiedentlich wurde auffällige Kleidung und langer Haarschnitt gefordert." Ein ganzes Wochenende hätten die Jugendlichen im Gasthaus Zum weißen Schwan, in der Stadthalle und im Volkshaus gefeiert. In der Heinrichsruhe sei zur Musik von einem "mitgebrachten Tonband" getanzt worden. Sogar am Neustädter Faschingsumzug hätten die Jugendlichen teilgenommen.

Tatsächlich war eine bisher unbekannte Gruppe zum Umzug zugelassen worden. Die 20 Jugendlichen in Säcken mit der Aufschrift "Baller-Klub" waren nicht weiter aufgefallen. Doch nach Informationen der Zeulenrodaer Kriminalpolizei ist der "Baller-Klub" nur ein Tarnname. Der richtige Name des geheimen Clubs bereitet den Ordnungshütern allerdings noch Schwierigkeiten: "Die Bezeichnung lautet Renft - oder Remftclub." Näheres ist nicht bekannt.

Die Polizei in Pößneck handelt sofort. Denn erst ein paar Monate zuvor hatte sie schon einmal Ärger mit Langhaarigen. Im Oktober 1969 waren Jugendliche aus Pößneck und Umgebung zwangsweise zum Frisör gebracht worden. Ihre Haarpracht entsprach nicht den Vorstellungen der biederen Genossen. Nun wird die Kriminalakte "Klub" angelegt. Der Verdacht: "Gruppenbildung". Das riecht in der durchorganisierten DDR nach Aufruhr. Verdächtige gibt es bald. Spitzel sollen in den Club eingeschleust werden. Die Treffen der Jugendlichen werden von der Polizei observiert. Gleichzeitig wird die Staatssicherheit auf dem laufenden gehalten. Auch der Name des Clubs ist bald ausgekundschaftet: "Klaus Renft-Klub". Doch wer ist dieser "Klaus Renft"?

Nach und nach wird den Ermittlern klar: Die Neustädter Beatfans haben sich nach der Klaus-Renft-Combo aus Leipzig benannt. Die Pößnecker Polizisten fragen in Leipzig nach. Wer gehört zu der Band? Und welchen Charakter hat eigentlich die Kapelle? Die beunruhigende Antwort kommt am gleichen Tag per Fernschreiben: "Auf Grund ihrer wilden Musik hat sie in Leipzig einen großen Anhang, der keinen positiven Eindruck macht." Tatsächlich ist die Klaus-Renft-Combo eine der populärsten Bands in der DDR. Aber Frontmann Klaus Renft und seine Band ecken bei den Funktionären immer wieder an. Die Vorwürfe wiederholen sich: zu lange Haare, englische Texte, Verstärker zu laut, zuviel Westtitel gespielt, in Jeans aufgetreten, überfüllte Säle. Für Band und Fans ist die Musik von Renft dagegen Freiheit, Wildheit und eine Fluchtmöglichkeit aus dem Frust. Jeder Auftritt ist ein Triumph. Die Texte sind kleine Ermutigungen im DDR-Alltag. Der Rockrebell Klaus Renft ist Kult.

Der Neustädter Renft-Club ist gut organisiert: Es gibt eine Leitung und Ausweise mit Passbild. Die Treffen, die etwa alle 14 Tage stattfinden, werden protokolliert. Der Monatsbeitrag beträgt vier Mark. Für Lehrlinge kostet die Mitgliedschaft nur die Hälfte. Mit dem Geld sollen gemeinsame Reisen und Partys finanziert werden. Sogar eine Art Ehrenkodex haben sich die Renft-Fans gegeben: Nicht in der Öffentlichkeit auffallen, auf Tanzsälen ordentlich auftreten, nicht zu viel Alkohol trinken, Schlägereien aus dem Weg gehen. Etwa 20 Mitglieder aus Neustadt und Zeulenroda, so schätzen die Ordnungshüter, hat der Club. Sie sollen sich regelmäßig in einem Hinterzimmer im Weißen Schwan treffen.

Von nun an werden diese Treffen observiert: Minutiös protokollieren die Kriminalisten, wieviele Jugendliche vor der Gaststätte warten. Einige werden heimlich fotografiert. Die Kennzeichen von den Motorrädern werden notiert. Doch an interne Informationen kommt die Polizei nicht ran. Was bereden die Jugendlichen? Was planen sie? Lediglich die Polizisten aus Zeulenroda haben eine Quelle in der Gruppe und können ihre Genossen mit Informationen versorgen.

Anfang Mai schrillen bei der Kriminalpolizei die Alarmglocken: Die Renft-Fans planen eine Party! Die Feier soll in der Gaststätte Zur Friedenseiche in Lausnitz bei Neustadt stattfinden. Die Party ist als Geburtstagsfeier angemeldet. Die Überwachung der Feier wird nun generalstabsmäßig geplant. Fotoapparate werden in Stellung gebracht. Auffällig unauffällige Beobachter schleichen durch das Dorf. Aus Zeulenroda wird ein Spitzel angekarrt. Wird fortgesetzt
(12.10.2006)
[Ostthüringer Zeitung]
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