Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
HOME HISTORIE DISKOGRAPHIE TEXTE GALERIE BAND PRESSE TERMINE FANLADEN GÄSTEBUCH KONTAKT IMPRESSUM
PRESSE
KRC-Artikel aus der Presse
Pressematerial
PRESSE
Rocker Klaus Renft gestorben
Die in der DDR sehr populäre Klaus Renft Combo wurde 1975 wegen ihrer kritischen Texte verboten. Bekannt wurden Songs wie „Apfeltraum“, „Wer die Rose ehrt“ und „Gänselieschen“.
Von Thomas Lindemann. Es gibt ein Foto der Klaus Renft Combo, da liegen die sechs Musiker im hohen Gras, sie tragen lange Haare, Bärte und Cordsakkos. Die Blicke sind nur ein klein wenig finster, und die grünlich eingefärbte Szene wirkt wie eine Idylle aus Protestkultur, Freiheit und lässiger Jugendlichkeit. Das Bild entstand in den Siebzigern und hätte vielleicht im Westen schon etwas zu niedlich gewirkt, neben der gerade erstarkten Hardrock-Bewegung. Doch "Renft" waren die großen Rocker der DDR, und dort ein paar Jahre lang das einzige, was eines echten Rockfans würdig war.

Der Jenaer Klaus Jentzsch, der als Musiker den Mädchennamen seiner Mutter annahm, Renft, gründete schon 1957 seine erste "Klaus Renft Combo", die er später in "The Butlers" umbenannte. Die Band machte sich schnell einen Namen im Sog der damaligen Beat-Begeisterung, die vor allem den Leipziger Raum erfasst hatte. 1965 gab es für Renft das erste und keineswegs letzte Auftrittsverbot. Auf einen spektakulären Auftritt der Rolling Stones in der Westberliner Waldbühne reagierte die DDR mit Bandverboten wegen "westlichen Stils". Dabei hatte das "Neue Deutschland" die "Butlers" gerade erst als "unstreitig beste" Gitarrengruppe der DDR gerühmt.

Ende der Sechziger durfte Renft wieder spielen, wieder versammelte er Leipziger Rocker um sich, gründete "Renft". Neben den "Puhdys" und "Panta Rhei" wurde sie die beliebteste Band der DDR. Doch mit diesen staatstragenden Berliner Musikern hatten die Underground-Rocker aus Sachsen nichts gemein. Ihr Texter Klaus Pannach schrieb Zeilen wie: "Mensch, wir werden fett gefüttert / Mit Kampagnen immer neu / Und ich krieg das große Kotzen."

1975 kam das endgültige Auftrittsverbot, der Kulturminister entzog Renft diesmal auch die Zulassung. Die zwei LPs der Band Renft wurden auf Jahre heiß gehandelte Schwarzmarktobjekte. Renft selbst wurde 1981 auf eigenen Wunsch ausgebürgert.

Direkt nach der Wende ging Renft im Osten auf Tour, und noch immer lebte seine Fangemeinde. 1999 erschien nach fast 25-jähriger Pause das dritte Album, der Band "Als ob nichts gewesen wäre". Vor drei Jahren kam noch "Unbequem woll'n wir sein" dazu mit Raritäten aus den großen Jahren der Band, 1971-75. Das Etikett des unbequemen Rock war aber längst von Westbands wie den "Böhsen Onkelz" besetzt - mit weniger Inhalt, aber viel effektiver.

Renft behielt trotzdem eine treue Fangemeinde. Im September war er erst bei Halle aufgetreten, die Lokalpresse freute sich über den "Ostrocker schlechthin". Songs wie "Apfeltraum" und "Wer die Rose ehrt" werden Vielen im Gedächtnis bleiben. Gestern ist Klaus Renft seinem schweren Krebsleiden erlegen. Er wurde im Jahr 1942 geboren - und 64 Jahre alt.
(09.10.2006)
[Die Welt]
© 2002-2009 RENFT · Klaus Renft Combo & NADV - Alle Rechte vorbehalten!
Produktion/Redaktion: ABELNET internet company