Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
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Wandersmann, komm gut an
Musiker starb an Krebs - Wechselvolle Karriere der Rocklegende dauerte fast 50 Jahre
Von Andreas Montag. Halle/MZ. Es ist wie ein Zeichen gewesen an diesem kühlen ersten Wochenende im September. Zum Ostrockfestival in Landsberg bei Halle, das auf einen einzigen Abend zusammengeschnurrt war, hatten sie ihn wieder ins Krankenhaus gebracht. Thomas "Monster" Schoppe hat dann die Fahne der Band tapfer hoch gehalten, Cäsar, der heimgekehrte Bruder, tat sein Bestes. Und der Fanblock sowieso.

Kein Heiliger

Renft war dabei, immer. Auch in den zerstrittenen Jahren nach der Wende. Renft ohne Renft, das hat es nicht wirklich gegeben. Und nun ist er tot. Am Montag ist "Jenni" gestorben, mit 64, nach fast einem halben Jahrhundert auf der Bühne. Der Krebs war stärker. Aber gewonnen hat er nicht. Die Lieder von Renft und die einfache Geschichte vom Anständigsein unter unanständigen Umständen bleiben ja und dürfen weitergegeben werden.

Nicht, um sie wie eine golddurchwirkte Ikone zu verehren, das wäre Klaus Jentzsch alias Renft, der sich und seiner ersten Band 1958 den Mädchennamen seiner Mutter gab, nicht recht gewesen. Renft war Rockmusiker, kein Heiliger. Er hat geliebt und geraucht, auch rüstig gesoffen. Und er war nicht der, den man einen begnadeten Instrumentalisten nennt. Das wusste er selber, und es tat der Legende keinen Abbruch. Renft war ein Organisationstalent, er hatte einen Riecher für Musiker, die zu seinem Stil passten. Und er hatte das, was man heute "standing" nennt: Er zog das Projekt Rock'n'Roll in allem Ernst durch: Mit der Renft Combo verboten, mit den Butlers verboten, abermals verboten mit Renft. Das waren die Jahre von anfangs der 60er bis 1975, eines der Verbote hat die legendäre Schlacht auf dem Leipziger Leuschner-Platz ausgelöst. Das muss man sich vorstellen: Jugendliche in der brav auf Kurs gebrachten DDR demonstrieren gegen das Verbot einer Beat-Kapelle!

1965 war das, vier Jahre, nachdem Ulbricht und Genossen den Toresschluss an der Berliner Mauer verkündet und ihrem Volk den Laden dicht gemacht hatten. Seitdem war der in Jena geborene Renft eine Art Gegen-Institution im institutionalisierten Arbeiterstaat. Wer Anfang der 70er Jahre mit dem Rock-Virus infiziert wurde, kam an Renft nicht vorbei. Die Beantwortung der Frage, ob die Puhdys mit ihren höchst philosophisch anmutenden Texten oder eben die anarchischen Renft-Kommunarden die besseren wären, konnte damals über Freundschaften und Liebe entscheiden.

Wer je ein Konzert mit Renft und dem Liederdichter Gerulf Pannach erlebt hat, wird es nicht vergessen haben. Da fegte mit einem Mal ein solch unerhört freier Ton durch das plüschige Kulturhaus der hübschen Stadt Gotha, dass den zuständigen Genossen die Lederhütchen von den Köpfen flogen. "Apfeltraum" und "Als ich wie ein Vogel war", das waren unsere Lieder. Die behält man im Herzen wie Bob Dylan und die Rolling Stones.

Ehrliche Haut

"Irgendwann will jedermann raus aus seiner Haut. Irgendwann denkt er dran, wenn auch nicht laut" - die melancholische Hymne hat die Zeiten überlebt. Dabei war die Band 1975 endgültig verboten worden. Renft ging in den Westen, dass seine Band im Osten indessen nichts von ihrem Kultstatus verloren hatte, erfuhr er erst nach dem Mauerfall. An ihre großen Zeiten hat die Renft Combo nach 14 Jahren erzwungener Abwesenheit zwar nie wieder anschließen können, aber ihre Musik gehört fest zur Erinnerung einer ganzen Generation. Wer will, mag das sentimental nennen. Aber Renft war eben Renft. Eine ehrliche Haut. Einer, den man sehr gern hat. Und der nun fehlt. Komm gut an, Wandersmann.

MDR-Figaro sendet am Donnerstag ab 22 Uhr einen Mitschnitt von 2005, in dem Klaus Renft über sein Leben erzählt. (09.10.2006)
[Mitteldeutsche Zeitung]
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