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Klaus Renft: Ein Ruheloser schlägt den letzten Beat
Es sind immer die Ruhelosen, die zuerst sterben. In in den frühen Morgenstunden des 9. Oktober ist die ostdeutsche Musiklegende Klaus Renft gestorben. Gerade 64 Jahre alt. Mit seinem Tod wird die 1958 von ihm gegründete Combo endgültig Musikgeschichte. Am Samstag war seine Band im Anker schon ohne ihn aufgetreten. „Wenn man das Sextett auf der Bühne sieht, wird man im Glauben an die Unsterblichkeit der Rockmusik bestärkt", schrieb eine Stuttgarter Zeitung. Der Autor wusste noch nicht, wie Recht er haben sollte.
Klaus Jentzsch, der als Künstler den Mädchennamen seiner Mutter annahm, war gerade 16 Jahre alt, als er sich mit der Klaus Renft Combo in das Abenteuer Rockmusik stürzte. 1958 in Leipzig war das ein Hasardspiel mit einem Staat, der Jeans, Rock und Rock'n'Roll als Frontalangriff des "Klassenfeindes" betrachtete und besonders in Leipzig hart gegen die Szene der Rockenthusiasten und ihre Lieblingsbands vorging. Was Historiker und Journalisten in den Archiven fanden, deutet darauf hin, dass die Stadtobrigkeit auch in Sachen Rock vorauseilenden Gehorsam gegenüber den Mächtigen in Berlin demonstrierte und schon zu Band-Verboten griff, als im Rest der ahnungslosen Republik noch nicht einmal das Schimpfwort Gammler in den Akten auftauchte.

Betroffen davon auch das Quintett um Klaus Renft, der wenig später die Beatband The Butlers gründete. Auch das eine Band, die es innerhalb weniger Jahre zum Kultstatus brachte. Was im Leipzig der 1960er Jahre wieder nur eines bedeuten konnte: Auftrittsverbot. Mit allen Mitteln versuchten die Bürokraten des Landes, den aufrührerischen Beat in den Tanzsälen zu verhindern. Etwas, was sich auch westwärts der Demarkationslinie nie so recht herumgesprochen hat: Nicht Dissidenten und Bürgerrechtler nagten am Selbstbewusstsein der SED-Avantgarde, sondern Künstler wie Renft, die ihr Recht auf Leben, Lieben und freie Äußerung im lebendigen Beat äußerten. Und sich auch von Verboten nicht stumm machen ließen.

1969 durfte die Klaus-Renft-Combo wieder auftreten, eroberte sich ein kluges, feinsinniges Publikum zurück und bekam mit Gerulf Pannach einen Texter, der die Kunst des Zwischen-den-Zeilen-Dichtens verstand. Pannach, der die Genossen damit ärgerte, dass man ihm keine einzige Zeile als staatsfeindlich ankreiden konnte. Und dennoch hörte auch der bornierteste Staatsangestellte: Da demontiert einer die graue Fassade des Realexistierenden.


Als dann gar noch Peter "Cäsar" Gläser zur Band stieß, war alles beisammen, die ganze explosive Mischung, die Renft Anfang der 1970er zur beliebtesten Rockgruppe im Osten machte. "Wer die Rose ehrt" war ihr größter Erfolg. Es folgten ”Zwischen Liebe und Zorn”, ”Besinnung”, Wandersmann”, ”Apfeltraum”, ”Cäsars Blues”, alles Lieder, die die Herzen der Zuhörer erreichten. 1973 durfte Renft sogar zum Jugendfestival in Berlin auftreten. Das war das Jahr, in dem sogar ärgste Zweifler für möglich hielten, dass man im Politbüro anfangen würde, zu begreifen, dass eine Demokratie ohne Freiheit nicht funktioniert.

1973 kam die erste, 1974 die zweite Platte von Renft heraus. 1976 - im legendären Biermann-Jahr - wurde die Band wieder verboten. Die meisten Band-Mitglieder gingen in den Westen. Peter Gläser und Jochen Hohl gründeten die Band "Karussell", die in den Folgejahren mit vielen alten Renft-Liedern neue Erfolge feierte. Erst 1990 wurde die Renft-Combo wieder gegründet. Zeitweise gab es sogar zwei Renft-Bands. Ein Zeichen auch dafür, wieviel Lebenswille und Kreativität in den Leuten steckte, die zeitweilig oder auf Dauer mit Klaus Renft zu tun hatten. Und Renft selbst rauchte, trank, lebte sein Leben.

Am Ende bewies er allen, dass das Exzessive, Fordernde in all seiner Musik sein eigenes Leben war, das er auch durch ärztlichen Rat nicht zu bremsen war. Am Ende erkrankte er ernsthaft an Krebs. "Hör auf zu rauchen", fordertern seine Ärzte, seine Freunde und Fans fast einhellig. Er hörte nicht auf.


"Liebe Renft-Fans, wer mich kennt, der weiß, dass ich nie zu denen gehörte, die schon verloren haben, weil sie nicht kämpfen. Für meine Familie, meine vielen Freunde und für mich selbst habe ich den Kampf gegen die erneut ausgebrochene Krebserkrankung aufgenommen und hoffe, dass ich nach erfolgreicher Chemotherapie in absehbarer Zeit wieder mit meinen Freunden auf der Bühne stehen kann. Ich bitte euch bis dahin der Klaus Renft Combo und ihrer Musik die Treue zu halten. Herzliche Grüße aus Löhma, Klaus Renft."

Das schrieb er aus den Tagen seines größten Leidens. Beruhigte die Besorgten, wohl wissend, dass der Kampf nicht leicht werden würde. Dass es schwer werden würde, den Krebs zu besiegen. "Wenn aber nicht, ist es auch nicht schlimm", schrieb er noch. "Jeder muss irgendwann sterben."

Nur eins steht fest: Die Musik, die er gemacht hat, kann nicht sterben. Die hinterlässt er all jenen, die es sich einfach nicht bequem machen wollen in dieser Welt. Die die selbe Unruhe umtreibt: Zu wenig gelebt zu haben am Ende. (Ralf Julke) (09.10.2006)
[Leipziger Internet Zeitung]
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