Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
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Irgendwann will jedermann raus aus seiner Haut
Nahe Halle lebt der Ostrock - Bands tanken Mut bei treuen Fans
Von Andreas Montag. Landsberg/MZ. Der Beifall tröpfelt freundlich. Ach, winkt Dirk Michaelis nach seinem Auftritt in Landsberg lächelnd ab, er bleibt jetzt einfach auf der Bühne: "Und dann erzähle ich, dass ich eine Zugabe hatte". Ein Spaß, gewiss. Aber eine Spur zu bemüht, um den Ernst dahinter nicht deutlich erkennen zu lassen. Die Ostrockszene hat es nicht leicht, daran ändern auch die erwarteten Jauchzer nichts, die Michaelis für seinen Evergreen "Als ich fortging" einheimsen kann.


Das Potential ist offensichtlich ausgeschöpft, wenn auch der Bonus einstweilen noch nicht aufgezehrt ist, den die treuen Fans ihren gestandenen Helden von Kerth bis Karat gewähren. Aber es riecht schon stark nach Wehmut, Herbststimmung herrscht, bei aller Tapferkeit. Sie sind älter geworden, Fans wie Musiker. Klaus Renft, der Ostrocker schlechthin, der samt Band zum ersten Mal verboten wurde, als die Mauer eben errichtet worden war, ist schwer krank, sein Freund Peter "Pjotr" Kschentz ist vor einem Jahr gestorben. Und Gerulf Pannach, der große Liederdichter, liegt schon seit reichlich acht Jahren unter der Erde bei Leipzig.


Dort, in Sachsen, hat Renft begonnen, was der bessere Rock der DDR sein wollte. Der ehrliche, der sich nicht auf Kumpanei mit Staat und Partei einlassen mochte - aber das ist auch schon wieder so eine Legende. Renft und seine Fans wollten anders leben, nicht im Gleichschritt - wie Pannach es beschrieben hat: "Irgendwann will jedermann raus aus seiner Haut. Irgendwann denkt er dran, wenn auch nicht laut". Der Song macht heute noch Gänsehaut. Wie damals, als wir den "Apfeltraum" vom menschlichen Sozialismus träumten.


Er ist nicht gekommen, aber die Mauer fiel. Die Träume schossen ins Kraut, doch die große, alles verdauende Maschine Musikindustrie hatte keinen Appetit auf Ostrock, für Ostrock gab es keinen Markt. So ist er in die Nische gerückt, nach Landsberg zum Beispiel, wo er schon früher zu Hause war. Als alle noch jünger waren, der Ostrock noch nach Rebellion, nicht nach "Wünsch dir was" klang und einem das Kreuz beim Stehen nicht so gottserbärmlich weh getan hat.


Nun ist das Ost-Festival auf der Felsenbühne Geschichte, der Gyrosnebel verzogen. Cäsar und die Renft-Combo, die lange zerstrittenen Brüder, haben wieder einmal Wiedervereinigung geprobt und Thomas "Monster" Schoppe hat sich die Seele aus dem Leib gesungen. Auch die beliebte "K"-Frage ist am Samstag wieder gestellt worden: Soll K... nicht wieder Karat heißen dürfen, selbst wenn die Dreilich-Witwe das nicht will? Allmächtiger, das Werbe-Süppchen riecht inzwischen eher ranzig.

(03.09.2006)
[Mitteldeutsche Zeitung]
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