Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
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Rede von Bundespräsident Horst Köhler
bei der Gedenkveranstaltung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa
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Von Anfang an gingen viele Impulse von den Jüngeren aus. Gerade bei ihnen wurde der westliche Lebensstil ein Riesenerfolg. Sie waren hungrig auf Jazz und Rock'n'Roll und auf ausländische Bücher, Filme und Theaterstücke. Sie lernten begeistert Fremdsprachen und reisten, so weit das Geld reichte, und sie waren dabei gute Botschafter der Bundesrepublik.

Die deutsch-französische Freundschaft und ein geeintes Europa waren nicht allein ein Anliegen der großen Staatsmänner wie Churchill, Adenauer, Schumann und De Gasperi, sondern eine echte Jugendbewegung. Ich war selber dabei, als Charles de Gaulle am 9. September 1962 Ludwigsburg besuchte und die deutsche und die französische Jugend dazu aufrief, die Zukunft Europas zu bauen. Unsere Begeisterung war grenzenlos.

Es waren auch vor allem die Jüngeren, die die unbequemen Fragen stellten: Setzten sich die Deutschen ausreichend mit der Nazi-Vergangenheit auseinander? Musste nicht endlich weltweit Schluss sein mit der Rassendiskriminierung? War der Vietnamkrieg zu verant­worten? Barg die Atomkraft nicht zu große Gefahren? In der Auseinandersetzung mit diesen Themen haben ungezählte junge Leute gelernt, politisch zu denken und sich demokratisch zu engagieren. Ihre Vorbilder waren Albert Schweitzer, John F. Kennedy und Martin Luther King, so wie es später Willy Brandt und Nelson Mandela wurden. Auch das gehört zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, und es hat ihr gut getan.

Bei den jungen Menschen unter kommunistischer Herrschaft war vieles ähnlich. Auch dort hatten Jeans und Rockmusik unwiderstehliche Anziehungskraft, nur hielt sie die Obrigkeit für politisch verdächtig. Deshalb gab es in Warschau und in Ost-Berlin regelrechte Straßenschlachten um die Teilnahme an Rockkonzerten, deshalb erhielt die Klaus Renft Combo wegen ihrer kritischen Texte Auftrittsverbot, und deshalb waren lange Haare dort erst recht viel mehr als eine Frisur.

Es gehörte Mut dazu, in der "Jungen Gemeinde" aktiv zu werden oder den Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen" zu tragen, und immer mehr junge Frauen und Männer bewiesen diesen Mut. Andere setzten sich für den Erhalt der Umwelt und für Bürgerrechte ein, oft unter dem schützenden Dach der Kirchen.

Es gab sogar eine Initiative, für die sich - wenn auch getrennt - junge Ostdeutsche und junge Westdeutsche gleichermaßen einsetzten: die Aktion Sühnezeichen. Lothar Kreyssig aus Sachsen hat sie in den fünfziger Jahren gegründet. Sie hilft bis heute Opfern der deutschen Kriegs- und Vernichtungspolitik und arbeitet für Frieden und Versöhnung.

Und schließlich: Im Osten wie im Westen begeisterten sich die jungen Leute für Michail Gorbatschow und seinen Reformkurs.

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Berlin, 08.05.2005 (08.05.2005)
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