Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
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Ein Saal voller unerfüllter Träume
Renft, die älteste Ost-Rock-Band, im Gasthof Medingen zu Gast

Dass der alte Ballsaal im Gasthof Medingen am Sonnabend proppevoll war, schob Renft-Keyboarder Christian „Kuno“ Kunert kühn auf die „sachte beginnende Konjunktur in Deutschland“ und auch ein wenig darauf, dass Hans Eichel statt der gefürchteten 42 nun nur noch 39 Milliarden Schulden machen müsse... „Da ist die Welt doch wieder in Ordnung“, meinte Kuno gelassen und stimmte dann eines der schönsten Liebeslieder aus dem üppigen Repertoire der „Klaus Renft Band“ an. Jenes nämlich von dem Mädchen, dass Höschen und Hemdchen von sich geworfen hat und solchermaßen entblößt einen wunderschönen Traum träumt. Doch nichts wird wie vermutet; bei aller Lust macht auch sie sich Gedanken: „Ach wie hat sie satt, Falschheit und Verrat“, heißt es im Text, den Kurt Demmler schon vor mehr als 30 Jahren schrieb. Ein wundervolles Gedicht, wenn auch Demmlers Texte eher die Ausnahme im literarischen Oeuvre der Band waren.
Gerulf Pannach hieß der Mann, der schon sehr zeitig in die Band Renft hineinwuchs, der mit den Musikern gemeinsam Höhen und Tiefen – sprich Auftritts- und Spielverbote en masse – erlebte und der immer mit oben auf der Bühne stand und seine Texte vortrug. Er erlebte auch 1990 noch die Rückkehr von Renft nach 13 Jahren Zwangspause auf die Bühne. Doch Pannach sollte 1998 der erste sein, der sich für immer verabschiedete. Seither schreibt die Band sich die Texte selbst –aufmüpfig, derb und mitunter komisch grotesk wie eh und je. Und doch erreicht keiner mehr die Qualität jener Botschaften, die Pannach so wunderbar zwischen den Zeilen formulierte...

Allesamt über 40, aber jung im Herzen

Zum Renft-Konzert geht, wer die 40 schon erreicht hat; jüngeres Publikum ist da eher die Ausnahme. Und wer zu Renft geht, der trägt die Texte der Rockballaden und der Blues-Songs im Herzen und auf den Lippen. Der will laut mitsingen und dabei in die Träume abtauchen, die er einst geträumt hat und die sich niemals so realisiert haben, wie er sich das mal vorstellt hat. Ein Saal voller Optimisten, die irgendwo im Hinterkopf noch den Gedanken verborgen halten, dass sie die Welt immer noch ändern könnten. Und mit den alten Männern von Renft damit durchaus konform gehen. Nicht umsonst trägt der Gitarrist Heinz Prüfer auf seinem T-Shirt den Aufdruck „Ich darf Bush nicht mit Hitler vergleichen. Schade!“ Und weil sie alle zusammen auch heute immer noch oder schon wieder so vieles nicht dürfen, deshalb wollen die einen ihre alten Songs immer wieder spielen und die anderen diese alten Renft-Songs immer wieder hören. Das Lied von der Erkenntnis zum Beispiel, wie das ist mit dem „Groß werden in einer kleinen Stadt“, bei dem der Refrain dann zwingend logisch aufschreit: „Du musst raus!“. Und natürlich auch die inzwischen längst zu wahren Hymnen avancierten Stücke wie „Wandersmann“, „Gänselieschen“ oder „Als ich wie ein Vogel war“. Ganz zu schweigen vom Lied aller Lieder „Wer die Rose ehrt“.

Sie sind alle älter geworden, gewiss. Klaus Renft ist heute 61 und verbirgt die Glatze geschickt unter einem schwarzen Hut, Marcus Schloussen am Bass sieht mit seinem Endlosbart so würdevoll aus wie einer aus dem „ZZ-Top“- Trio. Peter „Pjotr“ Kschentz – mit 62 der Älteste – hat sich eine Mütze stricken lassen, Delle Kriese, der Drummer, versteckt sich eh ganz hinten und „Kuno“ Kunert, der mit 51 neben Heinz Prüfer zwar zu den Jüngeren gehört, ist im Gesicht dennoch sehr vom aufreibenden Leben eines Rockers gezeichnet. Jochen Hohl, Thomas „Monster“ Schoppe und Peter „Cäsar“ Gläser, allesamt Renft-Weggefährten, realisieren heute eigene Projekte. Alle sind sie eben auf ihre Weise in der Neu-Zeit angekommen. Und den Titel „Dream Team des Ost Rock“ lassen sich die Renft-Musiker wohl nur überreichen, um den Erwartungen der Konsumgesellschaft in irgendeiner Form gerecht zu werden. Ansonsten haften sie auf dem Boden. (Wolfgang Zimmermann) (12.01.2004)
[SZ Online]
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