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"Wir von Renft waren immer die besseren Kommunisten"
Eine DDR-Rocklegende kommt morgen in die Wotufa in Neustadt

Neustadt (OSTTHÜRINGER ZEITUNG/05.12.2003). Nach mehreren Verboten seiner jeweiligen Bands wurde Klaus Renft im September 1975 durch den damaligen Rat des Bezirkes Leipzig für nicht mehr existent erklärt. Entwurzelt landete er danach in Westberlin. Dort fühlte er sich im Gegensatz zu den Wohlstandsflüchtlingen aus der westdeutschen Provinz niemals heimisch.
Comebacks und Querelen bestimmten die Wende-und Nachwendezeit des Vollblutrockers. Inzwischen ließ er sich in Löhma bei Schleiz nieder. Dort entstand auch nachfolgendes Interview.

OTZ: Sie sind jetzt in einer ländlichen Idylle gelandet. Was bewog Sie in die Provinz zu gehen?

Klaus Renft: Ich hatte ja schwere Zeiten hinter mir. War schwer krebskrank und keiner wusste wie diese Sache letztendlich ausgeht. Zum Glück schenkten mir höhere Kräfte das Leben und ich nutzte natürlich diese Chance. Hier in Löhma gefiel mir das Haus auf Anhieb und gebaut wird daran noch immer. Durch unseren Kulturverein versuchen wir vor Ort etwas anzuschieben, dem Kleingeist auf dem Land etwas entgegenzusetzen. Regelmäßige Veranstaltungen laufen im ehemaligen Pfarrhaus.

Auch konnte ich immer wieder Künstler animieren, hierher aufs Dorf zu kommen. So begegnete unserer Band in Putbus bei einem Konzert ein Typ, der mit richtigen Schlangen Nervenkitzel betreibt. Der will zum Beispiel auch kommen.

In der Nähe von Zwickau liegt der berühmte Amorsaal von Mülsen. Was fällt Ihnen heute zu jenem Tanzlokal ein und welche Bedeutung hatte dieser Laden Anfang der 70er Jahre für die Szene in der DDR?

Klaus Renft: Der Ort war einfach das Maß aller Dinge hierzulande, eben so richtig geil. Schon mit den Butlers spielte ich in den 60ern manchmal zweimal im Monat dort. Später kamen die Leute aus der ganzen Zone getrampt, um dabeizusein beim Rockrausch. Man durfte ja auch im Saal schlafen.

1972 erschien John Lennons Hit "Power to the People". Unser Schlagzeuger Jochen Hohl machte einen deutschen Text dazu und rief die Fans auf die Straße. Die gingen in Mülsen tatsächlich auf die Gassen und kreierten eine Spontandemo. Da fuhren ganz schnell die Vopos vor.

Vor 30 Jahren waren die 10. Weltfestspiele in Ostberlin. Nach Ihrer Meinung bekam die Käseglocke DDR seinerzeit etwas Frischluft. An das rote Woodstock erinnerte Anfang August eine Gedenkveranstaltung an Originalschauplätzen. Wie empfanden Sie die Tage von damals sowie jetzt?

Klaus Renft: 1973 herrschte teilweise eine euphorische Stimmung. Es konnte offener diskutiert werden, was etwas völlig Ungewohntes für uns war. Und vom Westen kamen sogar CDUler wie der spätere Westberliner Politiker Klaus Landowsky. Sie verteilten auf dem Alex geschmuggelte Flugblätter mit Hinweisen zu Menschenrechten oder dem Problem Reisefreiheit.

Auch die Party Anfang August lief gut. Die Resonanz hätte zum Teil noch besser sein können. Es erschienen viele neue Freaks, nicht allzuviele von den ehemaligen Funktionären. Die haben sich verkrümelt. Wir von Renft waren halt immer die besseren Kommunisten.

Viele CD`s mit der Band gab es nach 1989. Nun erschien bei Marktkram/Buschfunk die Scheibe "Unbequem woll`n wir sein - Raritäten der Klaus-Renft-Combo aus den Jahren 1971-1975". Warum?

Klaus Renft: Es ist ein Beweisstück für die missratene Kulturpolitik der DDR. Viele alte Bänder, die ich bei meiner Ausreise in den Westen schmuggelte, sind aufbereitet worden. So kommt eben ein brillantes Zeitzeugnis drei Jahrzehnte später auf den Markt. Man hat hier halt durch dogmatischen Schwachsinn die besten Leute abgesägt.

Die Zeit heilt viele Wunden. Im Osten hieß einst ein Schlachtruf "Bist Du Puhdys oder Renft-Fan"! Zur 4. Bitburger Rocknacht In Neustadt unterhielten Sie sich Du angeregt mit dem Urpuhdy Peter Meyer. Ist es denkbar, dass Sie einmal gemeinsam agieren? Welche weiteren Pläne haben Sie noch?

Klaus Renft: Kann ich nicht sagen. Ich persönlich kenne die Musiker schon Jahrzehnte und habe natürlich nichts gegen Maschine und Co. Aber das werden wohl die Fans entscheiden. Möglich ist heutzutage alles.

Vor Jahren erschien meine Autobiographie "Zwischen Liebe und Zorn". Inzwischen ist viel passiert. Ein neues Buch mit weniger Text und mehr Fotos ist schon in Arbeit. Von der damaligen Truppe begleiten mich noch Christian Kuno Kunert und Peter Pjotr Kschentz. Bei größeren Sachen taucht auch Jochen Hohl an den Drums auf und ab und an sogar Monster Thomas Schoppe.

Interview: Roland Barwinsky (05.12.2003)
[Ostthüringer Zeitung]
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