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Klaus Renft - ein rastloser Mythos
Interview mit DDR-Rock-Legende - Morgen Abend Livekonzert im Alten Gasometer Zwickau
Von Roland Barwinsky

Mit seinem Namen verbinden sich Geschichten, Mythen und Legenden. Vor allem aber ist Klaus Renft ein streitbarer Zeitzeuge der steinigen Rockentwicklung hierzulande. Zeitig kam er mit dem Rock´n´Roll in Berührung, legte sich mit den Behörden der Arbeiter- und Bauernregierung an. Im September 1975 erklärte der damalige Rat des Bezirkes Leipzig Renft für nicht mehr existent. Entwurzelt landete der verlorene Sohn in Westberlin. Dort fühlte er sich niemals heimisch. Inzwischen ließ er sich im ostthüringischen Löhma (bei Schleiz) nieder. Dort entstand - rechtzeitig vor dem morgigen Auftritt im Zwickauer Alten Gasometer - nachfolgendes Interview.

Freie Presse: Du bist jetzt in einer ländlichen Idylle gelandet. Was bewog Dich, in die Provinz zu gehen?

Klaus Renft: Ich hatte schwere Zeiten hinter mir: Krebs. Keiner wusste, wie diese Sache letztlich ausgeht. Zum Glück schenkten mir höhere Kräfte das Leben, und ich nutzte natürlich diese Chance. Hier in Löhma gefiel mir das Haus auf Anhieb, und gebaut wird daran noch immer. Durch unseren Kulturverein versuchen wir, vor Ort etwas anzuschieben, dem Kleingeist auf dem Land etwas entgegenzusetzen. Regelmäßige Veranstaltungen laufen im Alten Pfarrhaus. Auch konnte ich immer wieder Künstler animieren, hierher aufs Dorf zu kommen. So begegnete uns beispielsweise in Putbus ein Typ, der mit richtigen Schlangen Nervenkitzel betreibt. Der will auch kommen.

Freie Presse: In der Nähe von Zwickau liegt der berühmte Amorsaal von Mülsen. Welche Bedeutung hatte dieser Laden Anfang der 70er Jahre für die Szene in der DDR?

Klaus Renft: Der Ort war das Maß aller Dinge hierzulande, eben so richtig geil. Schon mit den Butlers spielte ich in den 60ern manchmal zweimal im Monat dort. Später kamen die Leute aus der ganzen Zone getrampt, um dabei zu sein beim Rockrausch. Man durfte ja auch im Saal schlafen. 1972 erschien John Lennons Hit "Power to the People". Unser Schlagzeuger Jochen Hohl machte einen deutschen Text dazu und rief die Leute auf die Straße. Die gingen in Mülsen tatsächlich auf die Gassen und kreierten eine Spontandemo. Da fuhren ganz schnell die Vopos vor.

Freie Presse: Vor 30 Jahren waren die 10. Weltfestspiele in Ostberlin. Nach Deiner Meinung bekam die "Käseglocke DDR" seinerzeit etwas Frischluft. An das "rote Woodstock" erinnerte Anfang August eine Gedenkveranstaltung an Originalschauplätzen. Wie empfandest Du die Tage von damals?

Klaus Renft: 1973 herrschte teilweise eine euphorische Stimmung. Es konnte offener diskutiert werden, was etwas völlig Ungewohntes für uns war. Und vom Westen kamen sogar CDUler wie der spätere Westberliner Politiker Klaus Landowsky. Sie verteilten auf dem Alex geschmuggelte Flugblätter mit Hinweisen zu Menschenrechten oder dem Problem Reisefreiheit. Auch die Party Anfang August lief gut. Die Resonanz hätte zum Teil noch besser sein können. Es erschienen viele neue Freaks, nicht allzu viele von den ehemaligen Funktionären. Die haben sich verkrümelt. Wir von Renft waren halt immer die besseren Kommunisten.

Freie Presse: Viele CDs mit Euch gab es nach 1989. Nun erschien bei Marktkram/Buschfunk die Scheibe "Unbequem woll´n wir sein" - Raritäten der Klaus Renft Combo aus den Jahren 1971 bis 1975. Warum?

Klaus Renft: Es ist ein Beweisstück für die missratene Kulturpolitik der DDR. Viele alte Bänder, die ich bei meiner Ausreise in den Westen schmuggelte, sind aufbereitet worden. So kommt eben ein brilliantes Zeitzeugnis drei Jahrzehnte später auf den Markt. Man hat hier halt durch dogmatischen Schwachsinn die besten Leute abgesägt.

Freie Presse: Im Osten hieß ein Schlachtruf: "Bist Du Puhdys- oder Renft-Fan?" Zur 4. Bitburger Rocknacht unterhieltest Du Dich angeregt mit Ur-Puhdy Peter Meyer. Ist es denkbar, dass ihr einmal gemeinsam agiert?

Klaus Renft: Kann ich nicht sagen. Ich kenne die Musiker schon Jahrzehnte und habe natürlich nichts gegen Maschine und Co. Aber das werden wohl die Fans entscheiden. Möglich ist heutzutage alles.

Freie Presse: Was hast Du für weitere Pläne?

Klaus Renft: Vor Jahren erschien meine Autobiographie "Zwischen Liebe und Zorn". Inzwischen ist viel passiert. Ein neues Buch mit weniger Text und mehr Fotos ist schon in Arbeit. Von der damaligen Truppe begleiten mich noch Christian KUNO Kunert und Peter PJOTR Kschentz. Bei größeren Sachen taucht auch Jochen Hohl an den Drums auf und ab und an sogar "Monster" (Thomas Schoppe). (10.10.2003)
[Freie Presse]
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