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Verschlüsselte Geschichten, die im Westen niemand kennt
Das Konzert der ostdeutschen Rocklegende Klaus Renft Combo vor Fans aus den neuen Bundesländern im Laboratorium
Wenn jemand am Freitag- oder Samstagabend zufällig ins Laboratorium gekommen wäre, hätte er sich womöglich für einige Augenblicke im falschen Film gewähnt: Auf dem Podium musizierten sechs ältere Herren mit einer Mischung aus Können und Inbrunst, wie man sie sonst aus einschlägigen Lokalen in New Orleans oder Chicago kennt.

Dass diese sechsköpfige Rockband den Namen Combo führt, hängt mit ihrer Herkunft zusammen: Sie geht auf das Jahr 1958 zurück, als der damals 16-jährige Klaus Jentzsch in Leipzig eine Rockgruppe gründete, die bald von den Staatsorganen misstrauisch beobachtet wurde. Denn sie spielte keine optimistisch-banale Schlagertanzmusik, sondern folgte westlichen Vorbildern in Sachen Rock "n" Roll. Dass sie mit der Zeit von der Nachahmung angloamerikanischer Titel zu deutschen Texten überging, machte die Sache keineswegs besser. Denn obwohl die Behörden Anfang der siebziger Jahre ihren Widerstand gegen alle Musik in der Nachfolge von Rhythm "n" Blues aufgaben, hörten die Kulturfunktionäre nun mehr auf die Worte.

In der Klaus Renft Combo (Jentzsch nannte sich nach dem Namen seiner Mutter Renft) verschlüsselte man manch freien Gedanken nur leicht oder gar nicht. Nach mehrfachen befristeten Auftrittsverboten kam es 1975 zu einer Auflösung der Gruppe von Amts wegen, und zwar diesmal für immer. Bassist und Bandgründer Klaus Renft ließ man mit seiner griechischen Frau nach Westberlin ausreisen, Christian Kunert, heute musikalischer Kopf der Gruppe, und der für viele Texte verantwortliche und inzwischen verstorbene Gerulf Pannach wurden ins Gefängnis gesteckt und später vom Westen freigekauft.

Nach der Wende kam es zu einer Wiedervereinigung der Klaus Renft Combo. Man krönte den neuen Anlauf im Jahre 1999 mit einem in der Rockgeschichte vielleicht einmaligen Projekt: Nach 25-jähriger Denkpause, wie Chistian Kunert ironisch sagt, wurde das Album "Als ob nichts gewesen wär" veröffentlicht - ein schon vor dem Verbot angedachtes Unternehmen, nunmehr mit damaligen und neueren Titeln verwirklicht.

Ein Teil der Gruppe hat die sechzig überschritten, und fast alle sehen im Laboratorium älter aus, als sie sind. Denn schon in ihren jungen Jahren verzeichneten die Stasi-Aufzeichnungen heftigen Genuss der legalen Droge Alkohol, und auch heute werden die Biergläser auf der Bühne während es Konzerts nicht nur einmal geleert.

Bandleader Klaus Renft wirkt nicht nur deswegen wie Joe Cocker. Seine Stimme und sein Gesicht spiegeln die 44 Jahre gelebten Rock wider, und seine Kumpane stehen ihm darin wenig nach. Irgendwann, als sie Krach mit ihrem Sänger bekamen, beschlossen sie, alle mindestens einmal am Abend ihre Stimme zu Gehör zu bringen. Da ertönt dann der sächsische Blues, kommt in den Texten eine verschlüsselte Geschichte zum Ausdruck, die man im Westen nur vom Hörensagen kennt - so wie den Namen der Renft Combo.

Wenn da die Mauer und die verdammten fünfzehn Jahre Zwangspause nicht gewesen wären - das Saxofon von Pjotr Kschentz und die Gitarre von Heinz Prüfer hätten sich in den bekanntesten westlichen Formationen nicht verstecken müssen. So aber versammeln sich auch in Stuttgart mehrheitlich die Renft-Anhänger aus dem Osten, und viele von ihnen können jeden Text mitsingen. So viel Verehrung hat sogar dem gewiss hart gesottenen Christian Kunert im Laboratorium ein überraschtes "Aber hallo!" entlockt.

Von Bernd-Wilfried Kießler (17.09.2002)
[Stuttgarter Zeitung]
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