Das Dream-Team des Ost-Rock - LEGENDEN STERBEN NIE!
HOME HISTORIE DISKOGRAPHIE TEXTE GALERIE BAND PRESSE TERMINE FANLADEN GÄSTEBUCH KONTAKT IMPRESSUM
PRESSE
KRC-Artikel aus der Presse
Pressematerial
PRESSE
"Als ob nichts gewesen wär`..."
Die Legende
Die „führenden Rockgruppen" der DDR haben etliches an Tonträgern hinterlassen: die Puhdys 17 LPs, Karat 8, Stern Meißen und electra je 7, die vergleichsweise jungen Silly 5 LPs. Und dann gab es da noch eine Combo, die „Osten von unten" verkörpern wollte, was es in der DDR qua Definition des Gesellschaftssystems nicht geben durfte. Ganze zwei Langspieler reichten aus, um sie zur Legende zu machen: „Klaus Renft Combo" von 1973 und „Renft" 1974. Eine dritte geplante, „Variationen der Einsamkeit", existierte nur als Cover-Skizze - vorher schlug die DDR-Zensur in Gestalt der „Konzert- und Gastspieldirektion" Leipzig zu und entzog der Gruppe die Lizenz. Diese musste - DDR-Usus - Jahr für Jahr erneuert werden.

„Renft" wollte einfach nur gute Rockmusik machen. Bis zum Schluss. Dann überzogen sie es. Von Ausreise war auf Konzerten die Rede, vom Sinn der NVA mit Fragezeichen. Dazu passte mancher Konzertverlauf: War ein Musiker wegen zu viel Bier nicht mehr in der Lage, zu spielen, „schrammte" eben ein anderer oder auch nicht. Dabei waren sie zumindest anfangs nicht vordergründig „gegen" den Staat. „Renft" passte einfach nicht ins Schema der Kulturfunktionäre. Sie waren keine Feinde, die sich leicht einordnen ließen - nein; sie waren gewissermaßen „Seitentriebe", angeordnet 90 Grad zu Freund und Feind und damit noch schwerer zu packen.

Die - veröffentlichten - Texte schon waren anders als etwa die der Puhdys:

„Und hinterher auf meinem Traktor
fahr’ ich, der Traktorist, und wach’,
dass keiner mehr mein liebes Lieschen
zu einem Volkseigentum macht!"

(„Gänselieschen", 1972)

oder:

„Nach der Schlacht war’n die grünen Wiesen rot,
nach der Schlacht war’n viel Kameraden tot.
Und man stellt sich auf das verblieb’ne ein,
und man meint, dies müsse der Sieg schon sein"

(„Nach der Schlacht", 1974)

Dagegen die Puhdys:

„Vorn ist das Licht,
Du kannst es sehen,
Vorn ist das Licht,
Beim Vorwärtsgehen"

(„Vorn ist das Licht", 1972)

Ebenfalls anders als bei den Puhdys, wo Birr/Meier für fast alle Kompositionen standen, ging es bei Renft „quer durch die Bank". Vor allem Kunert, Gläser und Schoppe profilierten sich als Singer und Songwriter.

Ihr Verbot im September 1975 hatte Signalwirkung. Wer weiter auftreten wollte, ließ sich disziplinieren. Es ging nicht anders - sollten nicht alle irgendwann ausreisen. „Renft" aber war weg, unwiederbringlich. Sie haben versucht, die Grenzen eines spießig-preußischen, sich selbst „deutsch", „demokratisch" und „proletarisch" nennenden Systems auszureizen, und sie sind an der spießig-muffigen Mittelmäßigkeit von DDR-Funktionären gescheitert.

Die legendäre (andere: verruchte) Besetzung bestand gerade mal drei Jahre, von 1972 bis zum Verbot: Christian „Kuno" Kunert, Thomas „Monster" Schoppe, Peter „Cäsar" Gläser, Peter „Pjotr" Kschentz, Jochen Hohl und natürlich Klaus „Renft" Jentzsch. Glücklich der, der noch Original-Amiga-LPs hat: Obwohl heute alles auf CD erhältlich ist, sind erstere sehr schwer zu haben. Second-Hand-Plattenläden bieten sie, wenn überhaupt, ab 40 Euro an.

Das Konzert

„Renft" sind wieder im Geschäft. Nach einem umjubelten Comeback 1990 gab es aber erst mal jahrelange Querelen um die Urheberrechte auf den Namen „Renft", und zeitweilig tourten gar zwei Ensembles unter „Renft" bzw. „Klaus Renft Combo". Doch das scheint nun beigelegt. Thomas „Monster" Schoppe, der sich „Renft" notariell schützen lassen wollte, tourt nun als „Monster und Band". Die heutige „Klaus Renft Combo" hat von der Originalbesetzung Peter Kschentz, Christian Kunert und natürlich Klaus Renft an Bord. Dazu spielen mit Detlef „Delle" Kriese (der eine sehr lesenswerte Biographie der Band verfasste), Marcus Schloussen und Heinz Prüfer drei Exzellente Musiker, die mehr als nur ihr Handwerk verstehen.

Jetzt werde ich subjektiv und zum „Ich"-Schreiber. Ich muss gestehen, ich hatte einige Bedenken vor dem Konzert in der Gorbitzer „Passage". Aber kaum dass ich im Raum war (Saal wäre echt übertrieben), legte sich das: Das Publikum war gemischt und bestand nicht nur aus in die Jahre gekommenen Nostalgikern. Sehr junge Leute machten die knappe Hälfte aus. Und die Musiker?

„Kuno" bei der letzten Tonprobe: „Eins, zwo, eins, zwo ... Nnnnuu! - Naja, für Dresden reicht’s..." Und fragte: „Nun, Freunde, gehen wir’s an? - Ich muss euch gleich vorwarnen: Ihr werdet heute eine Ansammlung älterer Herren erleben. Um euch an den Anblick zu gewöhnen, kommt einer nach dem anderen auf die Bühne. Und mit meinem Anblick habt ihr das schlimmste schon überstanden." Wenig später kommt Peter Kschentz auf die Bühne - „seit 70 Jahren bei der Klaus Renft Combo". Nichts mit rührseliger Nostalgie-Stimmung - alle lachten! Und dann spielte die „Klaus Renft Combo" Lieder ihrer 99er CD „Als ob nichts gewesen wär’" - und man merkte, dass sie nie etwas verlernt hatten! Nicht das Spielen, nicht das Singen und schon gar nicht das Komponieren. Und zu meinem Erstaunen sangen alle die „unbekannten" Lieder mit.

In der Pause stand Klaus Renft wie jeder x-beliebige Besucher an einer Seitenwand und trank ein Bier: der klassische „Un-Star". Und dann kamen sie natürlich, die alten Lieder, die Kuno mit „Und jetzt ein paar Ladenhüter" ankündigte: „Ich bau’ Euch ein Lied", „Der Apfeltraum", „Zwischen Liebe und Zorn", „Aber ich kann’s nicht versteh’n", „Wandersmann" und natürlich das „Gänselieschen". Bei diesem Lied übernahm das Publikum lautstark den Gesangspart, und zwar so lange, bis die Combo, die sich von dannen machen wollte, wieder auf der Bühne erschien.

Klaus Renft wird am 30. Juni 60. Da gibt es in Oettersdorf bei Schleiz eine Riesen-Geburtstagsparty, wo viele seiner „Weggefährten" dabei sein werden, selbst die legendären „Butlers", Leipziger Beatformation der 60er Jahre. Als ob nichts gewesen wär’!

Tonträger und Literatur

Auf CD gibt es die beiden AMIGA-Erscheinungen „Klaus Renft Combo" und „Renft" sowie das 99er Album „Als ob nichts gewesen wär’". Empfehlenswert sind auch die CD-Zusammenschnitte „Wer die Rose ehrt - Renft, das Erbe" und „Die schönsten Balladen - Renft". Mit etwas Glück bekommt man noch die CD bzw. MC „Zwischen Liebe und Zorn", auf der einige Konzertmitschnitte aus den 70er Jahren mit sonst unveröffentlichten Liedern enthalten sind.

Die Autobiographie „Klaus Renft - Zwischen Liebe und Zorn", herausgegeben von Hans-Dieter Schütt, und die Biographie der Band „Nach der Schlacht" von Delle Kriese sind beide bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen. Außerdem editierte der Verlag „Als ich wie ein Vogel war - Geruf Pannach: Die Texte". Pannach war neben Kurt Demmler der Texter der Band.

Dr. Scheibe (14.06.2002)
[Dresdner Blätt´l]
© 2002-2009 RENFT · Klaus Renft Combo & NADV - Alle Rechte vorbehalten!
Produktion/Redaktion: ABELNET internet company