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Legenden sterben nie!

"Die Songs leben jetzt durch uns und die Fans weiter"

Renft-Sänger "Monster" über Vergangenheit und Gegenwart der Kultband

Renft sind wieder auf Tour. Für die Fans der Leipziger Kult-Band, eine Chance, erneut die alten Songs zu hören und in Erinnerungen zu schwelgen. Sänger Thomas "Monster" Schoppe sieht im Gespräch Renft jedoch auch als ein Unternehmen der Gegenwart und Zukunft.

Frage: Renft on Tour, allerdings mit erneuertem Line-Up. Sie sind das einzige Gründungsmitglied. Was hat Renft von heute überhaupt noch mit jener Band von damals zu tun - immerhin fehlen mit Cäsar, Pjotr und Renft selbst prägende Figuren?

Thomas Schoppe: Alle Musiker der Band, auch die, die inzwischen fehlen, haben sich in den Songs verewigt. Diese Songs leben jetzt durch uns und durch die Fans weiter. Also sehen wir uns als Verwalter des Renft’schen Liedgutes. Insofern ist es nicht entscheidend, ob die alten Bandmitglieder noch dabei sind. Und: Schon 1975 ist Cäsar ausgestiegen. Selbst wenn auch ich eines Tages nicht mehr dabei sein sollte, muss das nicht das Ende von Renft bedeuten. Ob dann die Band genug Spirit und Individualität neuer Musiker besitzt, weiß niemand, aber die Songs würden genauso weiterleben wie jetzt.

Dennoch ist die Medienpräsenz eher gering. Hängt das auch mit der bewusst beschworenen Herkunft Ostdeutschland zusammen?

Nein, es gibt ein paar wenige etablierte ehemalige DDR-Bands, die gut im Geschäft sind, und Veranstaltungen wie Ost-Rock-Klassik stoßen auf große Resonanz. Wir sind ja in diesem Jahr auch dabei. Möglicherweise hängt es mit unserem Ruf zusammen, einmal die bösen Kinder des DDR-Rock gewesen zu sein. Schließlich galten wir als Rebellen, die auf Anarcho waren.

Vielleicht braucht das ja heute keiner mehr?

Das mag sein, aber wahrscheinlich waren wir anarchistische Rebellen, weil wir im doktrinären System der DDR einen Feind hatten. Viele ehemalige Stasimitarbeiter oder SED-Leute haben heute in der Wirtschaft und auch in der Kultur einen neuen Job. Spekulativ muss ich sagen: Vielleicht sind das auch Gründe, Erfolg für Renft zu verhindern, die denken doch immer noch in Sippenhaft. Manche Veranstalter haben auch Vorurteile gegen uns, sehen in uns eine schwer zu disziplinierende Truppe. Mag ja manchmal in der Vergangenheit so gewesen sein. Jetzt sehe ich uns pflegeleicht, eher als die guten Jungs von nebenan.

Stimmt der Eindruck, dass es im wiedervereinigten Deutschland keine Themen mehr gibt, die herausfordern?

Natürlich gibt es die, aber erstens stecken wir in der Zwickmühle, dass Fans und Veranstalter vor allem die alten Songs hören wollen. Zweitens würde ich keine aktuellen politischen Themen mehr für einen Songtext nehmen, das können jüngere Textschreiber tun. Ich bin eher interessiert an der Umsetzung philosophisch-theologischer Gedanken, habe eine Menge Material dazu. Aber ich kann das nicht der Band aufzwingen, da muss sie dahinterstehen. Deshalb haben wir uns 2007, nach dem Einstieg von Gitarrist Gisbert Piatkowski, die Aufgabe gestellt, die alten Renft-Songs so zu bearbeiten, dass sie ihren ursprünglichen Charakter nicht verändern. Auch musste sich die Band nach den Todesfällen der letzten Jahre stabilisieren. Sicher wird der nächste Schritt das Schreiben neuer Songs sein, aber wie gesagt, das muss die Band gemeinsam als Band bewältigen.

Mal ehrlich, macht es noch immer Spaß, die alten Sachen zu spielen?

Das macht sogar unglaublich Spaß, schon deshalb, weil wir die Songs neu arrangiert haben und Improvisationen größeren Raum geben.

Wer kommt heute eigentlich noch zu Renft-Konzerten?

Natürlich unsere alten Wegbegleiter, auch wenn sie nicht mehr die Jüngsten sind. Manche kommen aus Altersgründen nicht mehr, anderen gefällt unser jetziger Stil nicht. Aber inzwischen bringen Eltern ihre Kinder mit. Insofern haben wir seit den 90er Jahren immer wieder neue Anhänger gewonnen, ein völlig normaler Vorgang. Wenn dieser natürliche Austausch nicht wäre, würden wir vielleicht nur vor 30, 40 Leuten spielen.

Verstehen die denn die alten Texte?

Natürlich zeigen die alten Texte widersprüchlich ihren spezifischen Stil und Duktus der DDR, das Ringen um einen quasi demokratischen Sozialismus. Denn die Renft-Combo war sowohl aufmüpfig als auch konform. Aus heutiger Sicht erschließt sich nicht alles sofort, das muss man verstehenlernen, speziell für die Nachgeborenen. Dennoch werden die Songs auch von denen angenommen, allerdings ohne jene Bedeutung, die sie ursprünglich hatten und Kultstatus erlangten.

So gesehen dürfte das Interesse in den alten Bundesländern an Renft eher gering sein.

Das liegt an fehlenden Informationen. In der Regel ist es so, dass Wessis  ein exotisches DDR-Relikt erleben wollen, aber schon nach den ersten Songs wird klar, dass Renft, so sollte man in Zukunft sagen, Rock and Roll spielt. Und das wird, wo auch immer, begeistert aufgenommen. Natürlich kommen auch Leute, um einfach nur eine Rockband zu hören, dass Interesse daran ist im Westen weiterhin ungebrochen, während im Osten das gesamte Rockerbe von Generationen vergammelt und viele heute lieber zu Schlagerstars gehen. Auch haben viele Veranstalter ihre eigenen Events nicht richtig im Griff. Oder wenn ich zum Beispiel mal ein Konzertangebot erhalte, muss den Termin optionieren, dann bekomme ich nach sieben bis acht Wochen eine Absage aus fadenscheinigen Gründen oder wegen zu hoher Gagenforderung, wobei wir nicht mal ein Viertel oder gar Fünftel der Honorare etablierter Ostbands zur Verhandlung anbieten, in der Regel sogar gegen die Tür spielen. Alles inflationär, inklusive ganzer Regimenter an Cover-Bands. Über diese Entwicklung bin ich eigentlich sehr enttäuscht. Aber es geht weiter und wenn wir das uns selbst gestellte Ziel halten, kommt Ende April unsere "Renft goes on - Live 2009" in den Handel.

Interview: Kostas Kipuros, Leipziger Volkszeitung vom 24.03.2010

(Mit freundlicher Genehmigung der Leipziger Volkszeitung.)

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