RENFT. Die offizielle Heimseite. Klaus Renft Combo
Legenden sterben nie!

Interview Deutsche-Mugge mit Thomas Schoppe, 2008

Lass uns zunächst mal über Aktuelles sprechen: Wie weit sind die Vorbereitungen zur großen Jubiläumsshow am 30.12.08 gediehen?

Die Idee war zu schön, dass RENFT+TON, STEINE, SCHERBEN+GÄSTE in der Max-Schmeling-Halle spielen. David Bowie hab ich dort das letzte Mal gehört. Doch der Kartenverkauf lief anfangs nicht, dann nur schleppend voran und die Zeit verging, der Herbst kam. Es lief nicht alles so ab wie wir es uns wünschten. Mit Hilfe des Sponsors, dem Autohaus Weller, konnte Organisator Elmar Werner den Veranstaltungsort auf dessen Gelände, MEHRINGDAMM 20-28, verlegen. Dort wird ein beheiztes Festzelt aufgebaut. Jetzt, nach der zweiten Pressekonferenz sprachen wir nochmals alle Details durch und ich bin froh, dass dieses längst überfällige Treffen zwischen den zwei Bands aus Ost und West stattfindet, sodass wir ähnliche Veranstaltungen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestages des Mauerfalls ins Auge fassen können.

Hat das Datum eine bestimmte Bedeutung?

Nein, keineswegs. Aber der 28.06.2045 wäre von Bedeutung.

Was verbindet RENFT mit den TON, STEINE, SCHERBEN, die als zweiter Hauptact dabei sind? Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Anfang des Jahres gab es für die Gestaltung unseres 50 Jahre Jubiläums zwei Ideen. Einmal die Bandstory als Theaterstück, beginnend 1958. Zum anderen eine Konzertveranstaltung mit Gästen. Elmar Werner, den ich bereits vor Jahren als Organisator anderer Konzerte kennen lernte, hatte Verbindung zu TON, STEINE, SCHERBEN und so lag nahe, mit ihnen unser Bühnenjubiläum zu gestalten. Schließlich gehören beide Bands zur 68er Generation und beide forderten ihre jeweils andersartigen politischen Systeme heraus. Die einen agitierten gegen Kapital und Altnazis, die anderen gegen Partei-Doktrin und Funktionärskaste. So wundert es nicht, dass sich RENFT mit dem Liedpotenzial von "Keine Macht für niemand", oder "Macht kaputt, was euch kaputt macht", identifizieren kann.

Kannst du schon etwas zu den weiteren Gästen sagen? Und zum Programm?

Informieren kann man sich unter www.renft.de, aber ich stelle hier noch mal den Ablauf vor. Dabei sein werden: Vorbands: U.W.E., BERNWARD BÜKER BAND, RET MARUT, als ermittelnde 110 Polizeiruf-Kommissare: WOLFGANG WINKLER & MARIE GRUBER, als musikalische Bereicherung: VALENTINE, ARNO "DAGOBERT" FUNKE und ANDREAS BAYLESS & HENNING WEHLAND von "SÖHNE MANNHEIMS". TON, STEINE, SCHERBEN und RENFT führen ihr gewohntes Repertoire auf, natürlich etwas gekürzt. Im Finale werden wir zusammen einige uns alle verbindende Songs spielen. Die Proben dazu finden vom 27. - 29.12. statt.

Ihr werdet "50 Jahre RENFT" feiern (oder begehen), leider ohne daß der Hauptakteur und Urheber anwesend sein kann. Spürst du diesbezüglich eine besondere Verantwortung?

Schade, dass wir zur Zeit die 50 Jahre Bandstory nicht durch ein Theaterstück darstellen können. Die Jubiläumsshow bezieht sich ausschließlich auf das Songmaterial der Jahre 70-75, in der sich die Gruppe durch ihre kreativsten Köpfe geschichtlich hervorhob und sich darin von anderen Epochen der Bandgeschichte unterscheidet. Insofern trage ich als ältestes Mitglied von RENFT auch die Verantwortung, das Liedgut jener Zeit zu erhalten. Dabei geht es mir nicht um die Herausstellung von Personen. Das sowohl der Namensgeber, als auch andere, für die Bandgeschichte sehr wichtigen Akteure nicht dabei sein können, kann uns nicht davon abhalten 50 Jahre RENFT Geschichte zu feiern.

Unsere Frage bezog sich mehr auf den Anlaß. Letzten Endes wäre Klaus doch der einzige gewesen, der die 50 Jahre reell hätte feiern können, weil er den Grundstein gelegt hatte. Und vielleicht sitzt er jetzt auf seiner Wolke und schaut zu, was ihr da macht...

Nun ja, Klaus war auch nicht durchgängig fünfzig Jahre dabei. 1996 führte ich ja die RENFT- Band weiter, wie jetzt auch, ohne Klaus. Und wohin gehört der eine Teil, der nach Westberlin ging, wohin der andere, der im Osten blieb. Außerdem fehlt die Historie von 1975 bis 1990. Unstrittig ist, dass Klaus 1958 die Idee hatte, eine Band zu gründen, ich sag mal mit Rumba-Rasseln. Fraglich ist nur, ob es eine Band zu diesem Zeitpunkt auch wirklich gab. Unbestritten ist auch, dass die RENFT- Gruppen der 60er Jahre andere Namen trugen, wie “ERATOS“, "BUTLERS" oder "ULF WILLI QUINTETT". Deshalb ja auch meine Idee, die 50 Jahre RENFT als historische Einheit durch ein Theaterstück zu betrachten und darin die einzelnen geschichtlichen Epochen der Band und ihren wichtigsten Akteuren darzustellen.

Überhaupt hat RENFT in den letzten Jahren mehrere Mitglieder auf tragische Weise verloren. Wir wollen nicht pietätlos sein, aber uns interessiert dennoch, wie du damit umgehst und welche Auswirkungen das auf deine persönliche Einstellung zu der Gruppe hat oder haben wird.

2005 dachte ich, es wird auch ohne Pjotr weitergehen, dann wurde Kuno krank und fiel aus. 2006 starb Klaus und ich wusste, mit Heinz geht es weiter. Als 2007 Heinz PRÜFER zu Tode kam, wusste ich nicht wie es weitergehen soll. Ich sah mich in der Verantwortung, das Erbe RENFT weiterzutragen, ganz nach dem Wandersmann „Abschied heißt doch auch weitergehen“. Zunächst sah ich nicht ein, einen neuen Gitarristen zu suchen und fragte Simone DAKE, ob CÄSAR wieder einsteigen würde. Ich meinte, RENFT und CÄSAR musikalisch als auch ökonomisch zu vereinen, seit sich beide Bands den Kuchen in den 90er Jahren teilen mussten, und war der Ansicht, daß nach 18 Jahren die dadurch entstandene Konkurrenzsituation beiseite gelegt werden könnte. Leider bestand kein Interesse, was ich auch verstand. Cäsar hatte seit den 80er Jahren eigene Projekte, in denen er seine Musik und seinen Stil umsetzte. Darum war es für ihn absolut unvorstellbar, sich in eine Band wie RENFT, einordnen zu müssen.

Welche Musiker werden am 30.12. als RENFT auf der Bühne stehen?

MARKUS SCHLOUSSEN am Baß, DELLE KRIESE am Schlagzeug, GISBERT PIATKOWSKI an der Gitarre, und THOMAS "MONSTER" SCHOPPE Gesang. Ich denke, dass auch MARCO ZIMMERMANN dabei sein sollte, unser "Ersatzgitarrist" für "PITTI", wenn der mal bei Modern Soul spielt.

Christian Kunert oder Jochen Hohl demzufolge nicht?

Nein, das ist nicht angedacht, wir spielen in der eben genannten Besetzung. Ich sagte ja bereits, dass wir am 30.12. nicht 50 Jahre RENFT Geschichte darstellen, das wäre ohne Christian Kunert und Jochen Hohl sowieso nicht möglich.

Eben.

Christian Kunert ist aber krank und kann, nach eigenen Aussagen, keine Auftritte mehr mit einer lautstarken Rock-Band ertragen. Jochen Hohl ist soweit gesund, hat aber nicht mehr die Kraft längere Konzerte durchzuhalten und er sagt selbst, dass er dafür nicht mehr die körperliche Verfassung besitzt. Insofern ist ausschließlich die jetzige Formation geeignet, dass immerhin respektable Repertoire der RENFT-COMBO zu absolvieren.

Wie geht es danach weiter? Existieren schon Pläne für die Zukunft?

Wir geben Konzerte wie bisher. Versuchen werde ich, größere Festivals zu buchen. Obwohl ein 90-minütiges Konzert Anstrengung und Konzentration verlangt, ist es dennoch reizvoll Konzerte in größerem Rahmen zu gestalten. Wir haben am 21.09.08 zum Brauereifest in Plauen gespielt, vor 4000 Leuten. Das schärft die Sicht auf einen selbst. Du prüfst dich: wie bist du heute, was passiert zwischen dir und den anderen, in der Sequenz, der Sekunde. Du spürst die Verantwortung, die du dir selbst gegenüber und dem Publikum hast. Vor so vielen Leuten wird Dir das bewusster als bei einem Club-Gig vor 200 Zuschauern.

Zu deiner Person: Aufgewachsen bist du in Leipzig. Welche Erinnerungen verbindest du mit deiner Kindheit?

Schöne aber auch schlimme Dinge. Meine Kindergartenzeit war wunderschön. In der Schule hatte ich bis zur dritten Klasse eine fantastische Lehrerin, musste dann aber leider die Schule wechseln, warum weiß ich nicht, war eine oberhoheitliche Entscheidung. Dann aber trafen mich der 17. Juni 1953 und Ungarn 1956 tief in’ s Herz. Trotzdem erlebte ich eine Wunderwelt bei meinen Großeltern in Eisleben und auch im Westen, in Cuxhaven, wo ich fast jedes Jahr in den großen Ferien meine Tante besuchte. Das gefiel mir nur zu gut, dass ich gerne dort geblieben wäre und lag laufend meiner Mutter in den Ohren, bis sie 1960 plötzlich starb. Ihr letzter Wille bestimmte meine Übersiedlung nach Cuxhaven. Aber gegen ihren und meinen Willen kam ich in ein Kinderheim nach Erlbach/Vogtland. Zwar versprachen mir die Behörden, ich könne bald ausreisen, doch sie hielten sich nicht daran. So lernte ich staatliche Gewalt kennen. 1961 wurde die Mauer gebaut und ich hatte ausgeträumt.

Wann und wie hat dich das Musikfieber gepackt und auf welche Weise reifte der Entschluß, Musiker werden zu wollen?

Ich war vielleicht 11, also 1956... und muss sofort daran denken, wie oft ich mich mit Klaus über die Musik dieser Jahre unterhielt, dass wir Kinder dieser Zeit waren und mit ihr groß wurden. Vielleicht hätten wir uns damals schon kennen gelernt und RENFT wäre unser gemeinsames Baby geworden... Spaß beiseite: Elvis hatte was in mir ausgelöst, das war 57/58/59 und ward mehr und mehr: E. COCHRAN, G. VINCENT, F. DOMINO, J. L. LEWIS, LITTLE RICHARD, R.CHARLES und schon gab es die ersten Konflikte mit meiner Mutter, weil ich bis spät in die Nacht, so um 10, halb 11, noch Radio hörte oder hören wollte. Radio Luxemburg war d e r Sender, im 49-Meter-Band oder auf Mittelwelle. Es gab ein deutschsprachiges Programm, moderiert von Camillo Felgen, was ich auch mit "Mutti" hörte und ab 19.00 Uhr ging’s in englisch weiter. Und natürlich AFN, da erinnere ich mich noch, dass ich heftig weinte als die Russen den Aufstand der Ungarn 1956 niederwalzten. Ich bin also mit Stalinismus und SED-Doktrin aufgewachsen und spürte schon als Kind ein fürchterliches Unbehagen. Die Idee, selbst Musik zu machen, wurde 1961 im Kinderheim geboren und hatte nichts damit zu tun, dass wir ausgerechnet bei MUSIMA in Markneukirchen zum "Tag der sozialistischen Produktion" etwas über die Herstellung von Blasmusikinstrumenten erfuhren. Zwar lernten wir Löten und den Zusammenbau von Saxophonen und Klarinetten, das hat mich schon interessiert. Aber die Musik, die ich machen wollte, lief im Radio oder vom Tonband und die Erzieher merkten: Moment mal, der spielt hier nicht verrückt, lehnt alles ab wie sonst, der Junge lässt sich integrieren, wenn wir ihn gewähren lassen. Also bekam ich meine Rumba-Rasseln und die ersten Klanghölzer. So fing es an.

Du hast eine Lehre als Feinmechaniker absolviert. Mittel zum Zweck oder freie Berufswahl?

Mit 17 weiß man nicht, was man werden will. Doch ich erinnerte mich an den Metallbaukasten meiner Kindheit und dachte, mit so kleinen Sachen kannst du eigentlich gut umgehen, das wäre was. Also begann ich meine Lehre beim VEB Medizintechnik. Für die RENFT COMBO zahlte sich diese Berufswahl später aus, indem ich ihr die ersten richtig gut gedrehten, superschweren Gitarren-Klinkenstecker baute.

Deine erste Band war das AXEL-KÜHN-QUINTETT. Erzähl mal, was war das für eine Gruppe?

Aus der Zeit meines Heimaufenthaltes 1962/63 in Leipzig/Lindenau kannte ich Bernhard GLAUCH. Er konnte richtig Gitarre spielen, ich dagegen gerade mal mit dem Zeigefinger. Von ihm lernte ich nun Akkorde, Barré-Griffe und das Suchen nach eigenen Griffen. Doch von 1965-66 musste ich zur Armee. Wieder zurück zu B. Glauch und zu den alten Verbindungen. Man baute mittlerweile Endstufen und ich lernte Axel Kühn kennen. Der wiederum kam nicht nur an Röhren, sondern auch an Autos ran, kannte ein paar wichtige Leute und so entwickelte sich das Projekt. Wir hatten extra einen Fahrer und mit zwei EMW und unserem Equipment fuhren wir los. Das war 1968, über die Dörfer, in jene öffentlichen oder privaten Kulturstätten, in denen alle Bands begannen und groß wurden. Zuvor erhielten wir aber vom Rat des Kreises Leipzig unsere Spielerlaubnis mittels Einstufung. Ich glaube Mittelstufe, gerade mal 5,00 Mark die Stunde, die konnte jeder dann am Abend verlangen, es war ja staatlich geregelt. Zum Tanz aber spielten wir nicht unser Einstufungsprogramm, nein, DDR-Musik wollte keiner hören. Wir spielten BEATLES, STONES, die frühen PINK FLOYD oder Eric BURDON & THE ANIMALS. Und MOTOWN, diese SOUL-MUSIC, kam dazu: P. SLEDGE, A. CONLEY, W. PICKETT usw. Wir tourten um Leipzig herum, fuhren bis ins Erzgebirge, auch wenn’s im Winter schwierig war und machten uns bald einen Namen. Es lief richtig gut und wir verdienten ordentlich Geld, weit mehr als 5 Mark die Stunde. Ein guter Anfang!

Wie kam es zum Einstieg bei RENFT?

Dazu gibt es zwei Geschichten. Im Herbst 1969 waren wir sehr selbstbewusst, hatten ja gute Resonanzen und hatten gehört, dass RENFT nicht mehr zieht. Jetzt wollten wir’s drauf ankommen lassen. RENFT spielte in dem damals heißesten Laden in Borna bei Leipzig und wir wollten an diesem Abend in einem weniger bekannten Tanzlokal gegen RENFT antreten. Aber vor unserer Kneipe standen gerade mal drei, vier Leute. So bauten wir gar nicht erst unsere Anlage auf. Enttäuscht waren wir, die Leute gingen tatsächlich zu RENFT. Also rafften wir uns auf, um uns anzuhören, was das Publikum dahin zog. Was da abging hat mich total überwältigt! Diese Musik war umwerfend, ich kannte diese VANILLA FUDGE gar nicht... Und dann das ganze Drumherum... die Mädels liefen in West-Klamotten herum, standen herum wie in der Carnaby Street. Es herrschte eine unbegreifliche Atmosphäre. Am Ende sind wir ziemlich beschämt rausgegangen... Der zweite Teil der Geschichte: wieder mal Borna. Jetzt aber im heißesten Laden. Gegen Ende der Tanzveranstaltung, Hochstimmung. Wir waren dabei, “abzuräumen“, plötzlich, wir sahen’ s von der Bühne, ging die Tür auf und Klaus JENTZSCH betrat den Saal. Vor Schreck verspielten wir uns auf der Stelle. Nach diesem Tanzabend, Konzerte gab es damals noch nicht, saßen beide Bands an der Bar. Klaus und ich unterhielten uns schwerfällig. Ich entschuldigte mich für den Verspieler und sagte: "als wir dich sahen haben wir uns vor Schreck gleich verspielt..." Dazu murmelte er lakonisch: "Was meinst du, wie oft mir das schon passiert ist?" An diesem Spruch sollte er später immer gemessen werden. Ein paar Tage später saß ich bei ihm zu Hause, in der Mozartstraße. Jetzt hörte ich die Originale vom Tonband, VANILLA FUDGE, KING CRIMSON, diese PSYCHEDELIC– Musik, die mich bis heute nie mehr los ließ. War diese Musik doch neu, eine völlig andere Welt als mein bisheriges Repertoire aus Beatles, Stones und Motown. Totaler Wahnsinn. Tja, und dann sagt doch plötzlich Klaus, ich könne bei RENFT einsteigen. Ich war hin- und hergerissen, sprach den nächsten Tag mit meiner Truppe: "ich hab ein Angebot von RENFT bekommen, will euch aber nicht im Stich lassen, wäre nicht okay von mir". Dabei lachten sie und sagten: "Mach dir keinen Kopf, diese Chance bekommst du nicht wieder, also mach es! ".

War dir bewußt, daß die RENFT COMBO in ihrer Vergangenheit schon einigen Ärger mit der Obrigkeit gehabt hatte und hatte das Einfluß auf deine Entscheidung, der Gruppe beizutreten?

Nein, jeder wusste in Leipzig vom Verbot der BUTLERS und dem sog. BEATAUFSTAND. Bekannt war auch, dass die in “ULF WILLI“ umbenannte KLAUS-RENFT-COMBO nur beschränkt Auftritte bekam. Doch ich wollte jetzt mit RENFT Musik machen, mit guten Musikern und einem menschlich guten Team, in dem jeder den anderen schätzte. Denn schon wehte ein liberales Lüftchen durch die spießig miefige DDR, die Vorbereitung auf die Weltfestspiele begann.

In welcher Verfassung befand sich die Combo zur Zeit deines Einstiegs? Gab es schon eigene Songs? Unter welchen Bedingungen hat man damals gearbeitet?

Die Band befand sich im Umbruch und ich hatte den Eindruck, daß es momentan gar nicht gut lief. H.-J. BEYER war ausgestiegen, J. MATKOWITZ machte für CÄSAR Platz, der von der Armee zurückkam und J. HOHL mitbrachte. “FATS“ PACHSTEFFEL - ein fantastischer Schlagzeuger - ging auch, fortan musste Jochen, anfangs widerwillig ans Schlagzeug. Also holte mich Klaus in eine neu zu formierende Band, alle fingen bei Null an. Zunächst probten wir am alten Repertoire, doch schon bald kamen neue Songs dazu. Nicht einfach, denn die waren anspruchsvoll, einige davon recht konzertant. Beim Singen der VANILLA FUDGE-Stücke tat ich mich recht schwer. Das ging so weit, daß mich Klaus im Spätsommer ’70 ’rausschmeißen wollte, er konnte rigoros sein, wie ich noch erleben sollte. Ich hatte aber einen Fürsprecher. Nicht in der Band, er war Chef des "Plattenringes" und zog im Hintergrund die Fäden, Manfred KLOTZ. Er brachte immer die neuesten Scheiben an und Klaus hörte auf ihn, denn er empfahl immer Songs, die gerade im Trend lagen, oder die man zum Trend machen konnte. Klotz war ein regelrechtes Genie. Er kannte jede Sequenz aus jedem erdenklichen Song, inklusive der Rock'n Roll-Ära der 50er! Er wußte, wer, wo, wann, was gemacht, gespielt oder aufgenommen hatte. Es gab nichts, was ihm nicht bekannt war. Er sagte zu Klaus: "Der braucht Zeit und kommt schon noch." Er schlug vor, den Song "Monster" von STEPPENWOLF’ s AMERIKA- Album in’ s Repertoire zu nehmen. Jetzt war ich motiviert, sang mir jedes Mal die Seele aus dem Leib. Klaus war nun überzeugt und Cäsar hatte die Idee: "von nun an nennen wir dich nur noch "MONSTER".

RENFT war innerhalb sehr kurzer Zeit sehr angesagt. Woran lag das deiner Meinung nach? Und welchen Einfluß bzw. welche Auswirkungen hatte das auf euch?

Nun ja, es gab damals viele Bands, die um die Gunst des Publikums spielten. RENFT war keine 08/15-Truppe mit dem üblichen Song-Material, wie das bei anderen Bands der Fall war. Bei RENFT hörte man hin, hörte Musik, die weit über andere Coverstandards hinausging. Anfangs habe ich oft über RENFT geschimpft, die Band hatte null Groove, spielte kantig. Erst, als wir im Okt. ’70 im Leipziger Grafikkeller eine unserer ersten Konzerte überhaupt gaben, gegen die damals "führende" Band "INTEGRAL", zogen wir wieder das Publikum auf unsere Seite, mit "CHILD IN TIME", einem genialen Tipp von M. Klotz. Sensationell, dass wir vielleicht 14 Tage nach Erscheinen des Albums "IN THE ROCK" schon "DEEP PURPLE" spielten. Die Leute fuhren unglaublich darauf ab. In dieser Zeit begannen wir, uns mit Philosophie, H. Marcuse usw. zu beschäftigen. Ralph Stolle, Anthroposoph und väterlicher Lehrer, trug wesentlich dazu bei. Plötzlich ging ein Ruck durch die Band und wir verstanden uns schon als Intellektuelle. Ständig diskutierten wir, bedeutsam aber war, dass damit jene, bisher nur nach außen wirkende RENFT-Aura, innere Bewusstheit erlangte und damit die Bereitschaft deutsche Texte zu singen.

Naja, das bezog sich auch mehr auf den Ausgangspunkt der Frage, also den Erfolg, der gerade junge Menschen schon beeinflussen und verändern kann...?

Ich beziehe mich auf den Anfang. Der Erfolg, den RENFT hatte, war noch nicht der einer sog. "Staatsband". Davon waren wir noch weit entfernt. Unser Erfolg wurde durch Leute ermöglicht, die in RENFT das Sprachrohr für eine westliche Kultur fanden und nicht wenige sahen darin ein Aufbegehren gegen die eigenen Eltern oder gegen eine allmächtige staatliche Obrigkeit. Der universelle, kosmopolitische Grundgedanke von Woodstock machte vor’ m Eisernen Vorhang nicht Halt. Das Geheimnisvolle, das RENFT umgab, entstand durch die Auswahl der Musik und ihrer intellektuellen Umsetzung durch jeden Musiker. Das war die Basis für den Aufstieg von RENFT.

Wann habt ihr damit begonnen, einen eigenen Sound und eigene Titel zu kreieren? Wie entstand der typische RENFT-Sound?

Innerhalb der Band wuchs das Interesse an Selbstverwirklichung, wurde immer intensiver. Je nach Geschmack orientierte sich jeder an den neuesten Erscheinungen auf dem Plattenmarkt, aber längst ging’s nicht mehr um das Covern von Songs. Zunächst war es Cäsar, der eigene Kompositionen, manchmal aber auch nur Ideen, der Band vorstellte. Dann wurde ernsthaft und ausgiebig diskutiert Arrangements zu entwickeln. So entstand z. B. "Zwischen Liebe und Zorn" im Proberaum, grob skizziert und dann raus auf die Bühne. Meinen hohen Gesangspart im Refrain übertrug ich unbewusst von LED ZEPPELIN’ s "WHOLE LOTTA LOVE". Cäsar ging’s ähnlich, nur stilistisch anders, sein Gitarrenspiel klang nach J. HENDRIX. In "WER DIE ROSE EHRT" ist PROCOL HARUM zu hören, aber auch BACH. Sowohl die INTRO, vom 1996 verstorbenen Organisten R. STOLLE, als auch der Chorus von M. HEUBACH, ergänzten die Komposition CÄSARS und rundeten damit das gesamte Werk ab. Idee und Individualität jedes Einzelnen prägten so den typischen RENFT - Sound.

War es eine bewußte Entscheidung, drei gleichberechtigte Leadsänger an den Start zu bringen? Und wie ist es euch gelungen, trotzdem identifizierbar zu bleiben?

Zunächst sah es nicht so aus. Ende ’70 meinte Klaus, R. STOLLE aus der Band zu befördern. Ich bedauerte das sehr und war danach nicht gut auf Klaus zu sprechen, da er nicht mal die Band gefragt hatte. Er war der Ansicht, Ralf käme nicht in die Gänge und würde nur widerstrebend Arrangements für neue Lieder schreiben. Für ihn kam Michael HEUBACH von der Hochschule. Das brachte eine neue Note in die Gruppe, Bläser kamen hinzu, das Repertoire wurde erweitert durch Coversongs, also GINGER BAKERS Air Force und wir erhielten die ersten Unterrichtsstunden vom alten Leipziger Orchesterchef Fips Fleischer. Drei Titel brachten wir auf die Bühne: "AIKO BIAYE", "DADA MAN" und "EARLY IN THE MORNING", das spätere "Lied von der alten Woche", für das Jochen Hohl den Text schrieb. Nach gut einem Jahr stieg M. HEUBACH aus, für ihn war die Band zu faul und die Musiker nicht gut genug. Anfang ’72 kam der junge Christian "KUNO" KUNERT und brachte neben dem Keyboard auch die Stimme eines ehemaligen THOMANERS mit. Während CÄSAR Lied für Lied anbrachte hatte auch ich Ideen: "GÄNSELIESCHEN" entstand und in Zusammenarbeit mit ihm "TRUG SIE JEANS". Bald brachte auch KUNO seine ersten Songs ein, so dass die Band nicht nur drei Leadsänger hatte, sondern auch noch drei Komponisten, die nicht unterschiedlicher sein konnten. Wir nahmen uns nichts weg, empfanden uns gleichberechtigt und arbeiteten zusammen. Es war immer RENFT, egal von wem was kam, oder wer was sang.

Als Texter standen euch Kurt Demmler und Gerulf Pannach zur Seite. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande und wie funktionierte sie in beiden Fällen?

Da muss ich weit zurückgreifen. Zwischen dem Verbot der "BUTLERS" 1965 bis RENFT 1970 hatte Klaus immer wieder, wie andere Bands auch, gegen angedrohte Auftrittsverbote zu kämpfen. Deshalb suchte er in der Leipziger FDJ und ihrer SINGEBEWEGUNG die Chance, die eigene Musikerexistenz und die seiner Band beim Rat des Bezirkes abzusichern. Seinen Feinden dort ist es zu verdanken, dass er Kurt DEMMLER und Gerulf PANNACH kennen lernte, doch zunächst ergab sich keine konkrete Zusammenarbeit. Erst als 70/71 HEUBACH in die Band kam und die Ausbildung an der Hochschule begann, setzte man sich ernsthaft mit Texten auseinander. Seit dem Verbot der "BUTLERS" war wieder ein allgemein kulturpolitisches Interesse geweckt, was für die Band endlich eine existenzielle Absicherung bedeutete. Schnell wurden deutschsprachige Lieder in das bisher reine Cover-Repertoire aufgenommen. K. DEMMLERS "Wer die Rose ehrt" und PANNACHS "Zwischen Liebe und Zorn" konnten nicht größere Gegenpole textlicher Inhalte bilden. Jahre später scheiterte die Band auch daran. Parallel dazu bereitete ein “Staatsauftrag“ den Weg von RENFT. Im Berliner "RÜBEZAHL" begegneten wir dem großen Scout und "Rundfunkspion" Luise MIRSCH. Sie bot uns an, Songs im Rundfunk zu produzieren. Ganz ohne Hintersinn war das eben nicht. Die Weltfestspiele 1973 sollten der Welt zeigen, diese DDR ist selbständig und demokratisch und kennt keine Tabus in der Kunst. Um das zu zeigen, holte man die besten aller Bands in die Studios. Was man fördert, kontrolliert man. Eine solche List hätten wir nie vermutet. Für uns stellte sich jetzt eine große Hoffnung dar, Ulbricht, der während der Spiele starb und Stalinismus sollten endlich der Vergangenheit angehören. Vielleicht waren wir auch zu naiv, aber diese Offenheit fühlten eigentlich alle. Merkwürdig nur, dass diese Aufbruchstimmung sich nicht in unseren Liedtexten ausdrückte. Die Zusammenarbeit mit unseren Textern war mitunter recht schwierig. Wir drei, also Cäsar, Kuno und ich übergaben unsere Tape-Aufnahmen mal DEMMLER, mal PANNACH. Dabei brachte jeder seine Gedanken mit ein, doch ich behaupte, wir wurden zu sehr und oft genug von beiden bevormundet, sogar beeinflusst. Fast feindlich standen sie in Konkurrenz. Ich glaub, K. DEMMLER war eine Mischung aus pseudo- Lutheraner und Humanist, während G. PANNACH, nach eigener Aussage 1976 im Kennzeichen D, sich als schreibender Arbeiter begriff. Sprach’ s für RENFT, als Texter jener plebejische Musik machenden Rockband. Als Liedermacher kritisierte er scharf den Verrat der Funktionärskaste an der Idee des Sozialismus. Oft tat er das nur allzu vehement, bis er 1972 ein Auftrittsverbot vom Bezirk Rostock bekam. So haben beide Texter durch ihre extreme Unterschiedlichkeit das Gesamtbild von RENFT inhaltlich geprägt und damit ein Abbild der Gesellschaft jener Zeit geschaffen.

Wie sehr habt ihr euch in die Texte selbst eingebracht? Und wie sehr wurde euch bereits zum damaligen Zeitpunkt "von oben" dazwischengefunkt?

Es war nicht einfach. PANNACH, hauptsächlich aber DEMMLER, spielten sich oft wie Oberlehrer auf. Dabei war Gerulf eher bereit über Inhalte zu diskutieren und, falls nötig, Textzeilen aufgrund schwieriger Passagen der Gesangslinien zu ändern. Er war eher der Rocker, stand auf Seiten der Musiker und war auch Kumpel. DEMMLER hingegen kam immer mit fertigem Textkonzept an, was nicht immer auf Gegenliebe stieß. Hierbei fällt mir ein, dass ich anfangs Probleme hatte, deutsch zu singen. Ich empfand “CÄSARS“ Songs als Schlager. Zum "Wandersmann" musste man mich regelrecht prügeln, ich wollte das partout nicht singen, hab mich dann aber überreden lassen. Beim "Gänselieschen", hab ich mich so gewehrt, "LPG" oder "Traktorist", zu singen. Ich fand das grausam. Heute, nach all den Jahren, sing ich die Songs bewusster denn je...Selbstverständlich wurden Texte zensiert, mitunter korrigiert oder auch “zurückgewiesen“. Ganz einfach, man stritt und kämpfte um sie. Betroffen waren aber nicht nur PANNACHS Texte, auch DEMMLERS "Besinnung" wurde zwar produziert, auch kurzzeitig gesendet, landete aber im Rundfunk-Archiv. Ebenso erging es "Autostop", DEMMLER machte später daraus "Hinten an der Tür". Wir aber waren wild und unberechenbar, nahmen uns unsere Freiheiten, willkommen für die einen, misstrauisch beäugt von den anderen. In diesem Spannungsfeld erarbeiteten wir unser 2. Album.

Ihr habt seinerzeit sehr unterschiedliche Inhalte transportiert. Einerseits deutliche Systemkritik ("Zwischen Liebe und Zorn"), andererseits aber auch "auf Linie" ("Chilenisches Metall"). Wie paßt das zusammen?

Für heute kaum vorstellbar, aber es passte schon zusammen, gehörte zu unserem Dasein. Ich muss aber eindeutig "auf Linie" zurückweisen. In Chile fand ein Putsch statt, das hatte mit Systemkonformität überhaupt nichts zu tun. Wir alle waren ehrlichen Herzens und der Meinung, was da in Chile passiert, ist furchtbar. Das wir dabei auch instrumentalisiert wurden war uns vielleicht nicht ganz klar, zeigt aber, wir schwer es damals war, geradlinig seinen Weg zu gehen. Allein die Tatsache, Teil eines Ganzen zu sein, Pflicht und Verantwortung gegenüber dir selbst, deiner Familie und der Band zu tragen, lag wie ein lähmender Schatten auf uns. Es ist einfacher zu sagen: "ich kann nicht mehr!". Wir hatten unser Leben darauf ausgerichtet weiterzukommen. "Zwischen Liebe und Zorn" war nicht mal systemkritisch, sondern erhob nur kritisch die Frage, in welchem Widerspruch sich die Idee vom Sozialismus zur Realität befand, im Refrain wohl etwas zu simpel formuliert. Eine Kampfansage an die Funktionärskaste war’s dennoch und hatte eine weit größere Wirkung als wir beabsichtigten, weil sie später wie ein Bumerang auf uns zurückfiel.

Wie sah es an der Live-Front aus? Habt ihr viel gespielt und wie liefen die Konzerte in der Regel ab?

In Spitzenzeiten gaben wir 23, 24 Konzerte im Monat! Die Konzert- und Gastspieldirektionen (KGD) handelten damit unverantwortlich, wir wurden regelrecht verheizt. Mitunter fanden drei Konzerte am Tag statt: Früh um zehn, vierzehn Uhr und dann am Abend. Am Morgen ging es wieder los zum nächsten Veranstaltungsort und warst noch benebelt von der letzten Nacht. Weiter ging’s dann nach dem Aufstehen mit einer Flasche Wein, die schnell leer war. Darin sehe ich eine Ursache für CÄSARS spätere Alkoholabhängigkeit. Die Band litt unter Realitätsverlust, man stritt sich häufiger, urteilte pauschal und keiner erkannte, wer Freund oder Feind war.

Vergleicht man eure beiden LP, ist innerhalb von kaum zwei Jahren ein Stilwechsel von unbeschwert fröhlich zu ernst und weniger zugänglich zu verzeichnen. Wie ist das zu erklären?

Unsere Unbeschwertheit ging verloren. Wir befanden uns inmitten eines sich im Aufbau befindenden, expandierenden DDR-Kulturbusiness, alles war da Kalkül. Zusehends erkannten wir aber, dass die DDR-Gesellschaft unter Depressionen litt, der Krankheitsstand war hoch, Scheidungsraten stiegen und wer noch Lust hatte zu arbeiten, war fast unglaubwürdig. Jeder ahnte des anderen Gedanken: es macht keinen Sinn mehr. Kurzum, die Stimmung im Lande sank auf einen Tiefpunkt. Jene Aufbruchstimmung vor den Weltfestspielen schlug nun ins Gegenteil um. Tabuzonen wurden wieder entdeckt und enger gezogen. Diese nationale Stimmungslage beschrieb DEMMLER in seinen Texten für unser 2. Album und scheiterte. Die meisten Texte mussten um, bzw. neu geschrieben werden. Etwa drei Monate später, die Platte war längst produziert, beschloss man ihre Zulassung auf höchster Ebene, im Politbüro. Wir hatten uns weiterentwickelt, die Kompositionen wurden anspruchsvoller, die Arrangements komplizierter. Daran hatte vor allem Kuno großen Anteil, er schrieb die Streicher- und Bläserarrangements. Die KLAUS-RENFT-COMBO war gereift.

Was führte letztendlich zur "Zwangsauflösung" und wie lief das ab?

Ich sagte ja: Kulturbusiness. Nach ’73 und ’74 bekamen wir auch für 1975 den Auftrag die dritte Platte zu machen. Innerhalb der Band gab es aber unterschiedliche Auffassungen. Gerulf und Kuno besuchten Ende ’74 Wolf Biermann und aus dem bis dahin eher pro-sozialistischen, etwas blauäugig eingestellten Kuno kam der Spruch: "Ab jetzt mache ich nur noch Musik im Sinne der Wahrheit!" Unsere bisherige Kompromissfähigkeit wurde plötzlich als falscher Weg eingestanden, die bisherigen Texte als zu schwammig eingestuft. Insgesamt gesehen hatten sich Kuno und ich zum Motor entwickelt, Cäsar nahm mehr eine abwartende, eher passive Rolle ein. Wunderbare Musiken sind so im Proberaum entstanden. Auf der CD "Unbequem woll'n wir sein" sind davon Fragmente zu hören. Ich hatte den Eindruck, wir kommen nun endlich in jene Liga, in der auch unsere großen Vorbilder spielen. Kunos und meine Songs waren von Trauer durchwoben, lyrisch und doch Rock, eine Melange aus DOORS, COLLOSSEUM u. DEEP PURPLE. Bald stellte ich mich auf Kunos Standpunkt und es gab für RENFT kein zurück mehr. Immer aufmüpfiger wurden wir, Verträge wurden uns gekündigt. Immer größer wurde der Anteil von Stasi-Leuten zu ungunsten der paar Polizisten. In diese Zeit fiel die Verhandlung zur Vertragsverlängerung mit dem Komitee für Unterhaltungskunst. Wir mussten das Konzept für unser 3. Album vorlegen. War man von der Musik geradezu begeistert, so gab’s den Eklat, nachdem man zwei Texte von PANNACH gelesen hatte, ("Glaubensfragen" und "Otto-Ballade"). In Sekundenschnelle schien ein schier endloses Schweigen zum Universum zu werden, unsere Hoffnung war in deren Ohren Verrat. Nach gegenseitig schärfsten Vorwürfen kam die Aufforderung, zu überdenken, was sich hier abspielte und wir gingen. Aber Dr. Peter CZERNY nahm Klaus JENTZSCH beiseite, hielt ihn zurück und ich hörte: "Schmeißen sie den Kunert und den Schoppe raus, dann können wir wieder miteinander reden!". Klaus schüttelte intuitiv den Kopf und ab jetzt war jedem klar, hier sprach das Schicksal. Ohne Vertrag schickte man uns zurück nach Leipzig, an unseren Ursprung, zu Ruth Oelschlegel, der Vorsitzenden der KGD. Wir forderten Konzerte im Westen, sie aber schickte uns auf Tournee nach Polen. Danach würde über den weiteren Weg der Gruppe entschieden, hieß es. Wieder zurück, bekundete die Gruppe RENFT geschlossen die Unveränderbarkeit ihrer Position. In den nächsten Tagen wurde uns ein Einstufungstermin im KZ Südwest mitgeteilt. Als wir uns im ringsum abgesperrten Kulturzentrum versammelt und unser Equipment aufgebaut hatten, teilte uns Ruth Oelschlegel als Juryvorsitzende jene berüchtigt gewordene Rede mit, ich zitiere noch mal: „dass man sich dieses Vorspiel nicht anhört...wegen Diffamierung der Arbeiterklasse und deren Schutzorgane und daraufhin die Gruppe RENFT als nicht mehr existent anzusehen ist... Berufsmusikerausweise sind abzugeben“. Klaus aber hatte auf Kassettenrecorder mitgeschnitten. 15 Jahre später, nach dem Fall der Mauer, spielten wir jedes Mal vor den Konzerten diese Rede ab. Die Sprüche der Fans waren eindeutig.

Inwiefern habt ihr euer Ende selbst provoziert? Führt man sich heute die Texte vor Augen, die ihr damals vorgelegt habt, muß man sich diese Frage zwangsläufig stellen...

Sicher trieb uns Abenteuerlust und ein wenig Mut. Was im Inneren jedes einzelnen vorging ist heute schwer nachvollziehbar. Möglich, dass wir uns einem permanent wirkenden Gruppenzwang nicht entziehen konnten und sahen uns außerstande, Gefahren für unsere Existenz zu beurteilen. Größenwahn war’s auf keinen Fall. Vielleicht nur pure Hoffnung, und die bekanntlich, stirbt zuletzt. Wahrscheinlich war’s naiver Glaube irgendwie durchzukommen. Der Staat existierte ja auf unterschiedlichen Ebenen. Manche Leute in der FDJ oder auch Partei mochten unsere konsequente Haltung und hinter vorgehaltener Hand hörten wir: „Ihr seid toll, seid die Richtigen, von euch bräuchten wir mehr in unserem Land!". Andere flehten uns regelrecht an: "Ja, seid ihr denn wahnsinnig? Wißt ihr nicht, was ihr hier tut?", so nach dem Konzert im Berliner Metropol-Theater, als wir mit PANNACH auftraten, der längst gesperrt war. Manchmal denk ich, war’s nur ein Gefühl, tief unbewusst, auf der Suche nach Erlösung von den Zwängen. Als hätte uns eine innere Stimme angetrieben: "Macht weiter, bringt euch in Gefahr". Nie zauderten wir, ich hörte keinen sagen: "wir verlieren unsere Privilegien ". Die hatten wir ja und verdienten durchaus gut dabei. Keiner “wagte“ es, diesen Weg in Frage zu stellen. Es war wirklich seltsam...

Welche Auswirkungen hatte das Verbot auf dich persönlich? Was hast du danach gemacht?

Ende 75, kleines Fest, die Band war da. Meine Hochzeit. Danach schrieb die Gruppe RENFT einen Brief an Honecker, das Verbot zurückzunehmen. Ausgerechnet von ihm erhofften wir das Urteil der Leipziger KGD aufzuheben, jene unerbittliche Endgültigkeit, die nie aufzulösen ist, nach dem Motto, nicht sein kann, was nicht sein darf. Längst war das ZDF-Team um Dirk SAGER in Leipzig und drehte für’ s “KENNZEICHEN D“ , da fehlten schon einige von RENFT. Doch fair ging’s zu. Wir vereinbarten den Beitrag nicht zu senden, falls Honecker das Verbot zurücknehmen würde. Seine Antwort ließ er uns eiskalt überbringen. Also sahen wir uns im Febr. 76 im ZDF wieder. Wenig später kam Sohn David zur Welt und ich baute in der Hainstraße die zukünftige Wohnung aus. Halb glücklich vom Familienleben, halb enttäuscht vom Musikerleben, wusste ich oft nicht, wie’s weitergehen soll, war mir selbst zuviel. Finanziell war ich abgesichert über die Tantieme meiner Kompositionen vom 2. Album. Natürlich klimperte ich weiterhin auf der Gitarre, komponierte und versuchte mich erstmals an eigenen Texten. In dieser Zeit sind eine Menge Songs entstanden. König Alkohol aber trieb mich durch die Bars der Innenstadt. Für mich war unfassbar nie wieder auf einer Bühne zu stehen, nie wieder mit einer Band zu spielen. Das hat mein Familienleben belastet. Hinzu kam, Klaus ging im April ’76 nach Westberlin, Cäsar und Jochen Hohl spielten bei Karussell, zu denen hatte ich keinen Draht, das kam mir alles verlogen vor. Nur wir drei, Gerulf, Kuno und ich trafen uns noch ab und an, doch ich spürte ihren Alleinvertretungsanspruch für “unsere gerechte Sache“. Ende 1976 kam die Ausweisung BIERMANNS, die Inhaftierung von Gerulf und Kuno, meine kurzzeitige Verhaftung und Hausdurchsuchung. Alles spitzte sich auf einmal zu, dass ich mit meiner Frau den Ausreiseantrag stellte. "Was wollen Sie denn hier? Werden sie erst mal Rentner“, so die Abt. Inneres. Irgendwann wurde mir die Sache zu bunt. Von meiner Wohnung in der Hainstraße beschallte ich den Leipziger Marktplatz mit Biermann-Songs. Nicht lange und die Genossen von der Staatssicherheit standen vor der Tür und holten mich erneut zum Verhör. Überzeugen konnten sie mich nicht, in der Heimat zu bleiben. Im Febr. ’78, kurzfristig Schuldenfrei-Erklärung, Zoll im Haus, Papiere gültig, der Hausrat ab nach Westberlin, in Kunos ausgeräumtes Schlafzimmer. Am 25.02. ’raus über den Tränenpalast, Abends waren alle da, im “Quartier Latin“ , bei Nina Hagen. In Gedanken sah ich die Tränen meiner Frau, im Zug auf der Fahrt von Leipzig nach Berlin.

Wie hast du dich dann im Westen durchs Leben geschlagen?

Zunächst wohnten wir bei den Großeltern meiner Frau, später bei Christel und Manfred KLOTZ. Mein Antrag auf Arbeitslosengeld wurde noch immer bearbeitet. Endlich, Aug. 78 bekamen wir die Wohnung von Spiegelredakteur Jörg METTKE in der Schlossstrasse in Steglitz. Er klärte alles mit der Hausverwaltung, war so hilfsbereit und wir waren froh, endlich ein zu Hause zu haben. Mein Arbeitslosengeld kam, Nachzahlung für ein Vierteljahr, das war’s. Kein Einkommen, ich musste etwas tun. Mir blieben nur die Fingerübungen. Oft trafen wir uns mit Klaus und Angelika in der Rheinstr. Kein böses Wort aus Leipziger Zeit. Hinzu kamen Christiane WUNDER, heute UFHOLZ, Eberhard KLUNKER und Olaf WEGENER. Die Gruppe “WINDMINISTER“ war gegründet. Klaus ließ man nicht Bass spielen, das musste ich tun, Entscheidung der Kollegen. Die Proben liefen gut. Plötzlich begann eine schlimme Zeit. Anfang ’79 trennte sich meine Frau von mir. Freitag, den 13. Juli, war ich mit Klaus im TEMPODROM. Angelika lief ihm mal wieder weg und trunken wie er war, löste er einen gewaltigen Streit aus. Ich habe ihn da wohl “gerettet“ , brach mir dabei aber den linken Ringfinger. Ab in’ s Oskar-Helene-Heim, 4 Wochen Aufenthalt, das Fingergelenk war zersplittert, zunächst schief zusammengenäht, korrigiert, dann die ganze Hand in Gips, Therapie aussichtslos, der Finger blieb steif. Umso mühsamer und eifriger übte ich und konnte die schwierigen Bass-Stimmen wieder spielen. 10. und 11. Januar 1980. WINDMINISTER im QUARTIER LATIN und zugleich ein Riesenschock. Vom ersten Ton an buhten uns Leute aus, es war deprimierend. Was war los? Erst viel später war mir klar, dass die Stasi dahinter steckte. Ein Politikum ersten Ranges war der Auftritt schon und man sah jetzt genau, dass ehemalige DDR-Musiker ihrem einstigen Staat den Rücken kehrten. Am nächsten Tag lief’ s besser, die Schreier waren weg. Wir spielten zwar gut, doch hatten verloren. Meine Mitstreiter fatalistisch: “ein Gottesurteil“. Ich wusste, niemand in diesem stinkbürgerlichen Westberlin dachte daran, uns zu unterstützen, großzügig, souverän. WINDMINISTER löste sich auf. Ich zog nach Charlottenburg, geschieden, wieder Junggeselle. Eine neue Ära mit neuer Frau begann. Wunderbare Urlaube in Frankreich, Griechenland, Italien. Ich hörte B. ENO, D. BOWIE, K. JERRETT, GENESIS, YES. Eine neue Dimension. 1983 wurde Sohn Pius geboren, ich half ihn großzuziehen und wurde wieder, wie schon einmal, Hausmann. Ihr Einkommen genügte uns und ich hielt manchmal Nachtwache in einem Kinderheim.

Wie hast du die Wende erlebt? Was ging in dir vor, als du die Bilder gesehen hast, die gerade in deiner Heimatstadt Leipzig abliefen?

Unglaublich, ich konnte es nicht fassen. Sehe ich heute mit zeitlichem Abstand diese Bilder, kriege ich Gänsehaut. Diese Schreie der Verzweiflung, später die der Erlösung, welch Offenbarung göttlichen Willens. Aber ich ertrage es nicht, wenn darüber abwertend geurteilt wird, als ob das alles CDU-Wähler waren, die später "Helmut" schrien. Sehe ich Dokumentationen über die ersten brutalen Verhaftungen in Berlin, oder die auf dem Bahnhof von Dresden, dann ergreift mich Wut und Empörung über diesen Staat, nimmt mich total mit, auch jetzt noch. Zum Glück gab’s keine Wiederholung des 17. Juni 1953, kein Ungarn 1956, oder CSSR 1968. Dank GORBATSCHOW blieben die Panzer in den Kasernen. Als “Bürgerkomitees“ die Büros der Stasi durchsuchten, verspürte ich reinste Genugtuung, die Enthauptung eines perfiden Systems. War’s eine MEDUSA?

RENFT ist in halb alter und halb neuer Besetzung 1990 zurückgekehrt. Warum nicht komplett original?

Zunächst probten Klaus und ich mit Jochen Hohl, Ralf Stolle und Cäsar. Etwa 10 Tage vor Beginn der Tour bat Cäsar Kuno, Gerulf und mich zum Gespräch und offenbarte uns, er sei IM gewesen. Das schlug ein wie eine Bombe. Warum er das gemacht habe, begründete er mit der väterlichen Fürsorge eines Offiziers bei den Grenztruppen. Scheiße hätte er nicht gebaut, egal, er bat um Entschuldigung. Außerdem wolle er RENFT nicht seinetwegen mit dem Thema konfrontieren und den jetzt zu erwartenden Erfolg der Band nicht gefährden. Kurz und gut: Er stand nicht mehr zur Verfügung. An den Keyboards sollte wieder Ralf STOLLE mitmachen, darauf bestand Cäsar. Ralf aber hatte privat viel zu tun und konnte sich einfach nicht auf die Band konzentrieren. Das ging so weit, daß er während der Proben einschlief. Ich bedauerte zutiefst, ein zweites mal zu erleben, dass es mit Ralf eben doch nicht ging. Natürlich hatten wir auch Kuno gefragt, der aber zeigte kein Interesse und wollte mit Gerulf eher Liedermacher als Rocker sein. Also suchten wir neue Leute, Robert “Gohlis“ HOFFMANN an den Tasten, Lutz HEINRICH spielte Gitarre, Jochen Hohl, der “alte“ seine Drums und die Tour ging los. Besser als zu Zeiten RENFT ’s war er schon, der Jochen, es war ihm anzusehen, dass er sich freute und nicht über Karussell. Ich glaube, er war sich da schon sicher, der Komplex Ostmusik würde keine Chance haben. Solide, wie er war, ließ er sich nach der Wende zum Zahntechniker ausbilden, zog komplett mit Familie von Leipzig weg, nach Lübeck.

Wie wurdet ihr auf eurer Tour angenommen und wie hast du es empfunden, wieder mit RENFT unterwegs zu sein?

Man feierte uns wie verloren geglaubte Söhne, die nach Hause kommen...unbegreifliche Szenen spielten sich ab, Riesenkerle trugen mich auf Händen und heulten dabei, knutschten mich regelrecht von oben bis unten ab...eine nicht zu fassende Emotionalität strömte auf uns zu. Totaler Wahnsinn! Ich fühlte mich wie Mikis Theodorakis bei seiner Rückkehr nach Griechenland, im Olympiastadion von Athen. Wahnsinnige Gefühle...einfach, großartig.

Lange hielt die Euphorie nicht an...

Nun ja, es funktionierte nicht, weil wir kein Management hatten. Als Klaus und ich Ende 1990 bei Modern Music einen Plattenvertrag unterschrieben, musste ich auf diverse Rechte einiger meiner Songs verzichten, sonst hätte RENFT nie einen Vertrag bekommen. Nach der Live- CD sollten wir eine Platte einspielen. Aus meiner Song-Library wurden 12 ausgewählt und ab ging’s nach OSTRAVA (Tschechien), in ein gut bestücktes Studio. Mit dabei: Robert GLÄSER am Bass (Stiefsohn von Cäsar), Jürgen SCHÖTZ an den Drums, Robert “Gohlis“ HOFFMANN an den Keyboards und Matthias MOSER an der Gitarre. Klaus und Pjotr wurden vom Plattenchef ausgeladen, sind nicht wichtig, hieß es. Während der Produktion stellte ich fest, dass die Band nicht reif genug für ein komplettes Album war. Ich hörte Mängel heraus, die der Produzent nicht hören wollte. Es fehlte Disziplin. Mal wurde in bester Stimmung herumgealbert, mal stritt man sich. Kurz, es herrschte Chaos. Wieder zurück in Westberlin, im ehemaligen PARAGON-STUDIO von TANGERINE DREAM, wollte man die Produktion retten. Ein neuer Produzent war gefunden und M. MOSER, mit dem ich mich gut verstand, spielte noch mal die Gitarre ein, mehr Blues als Pop, aber virtuos. Nur meine Texte wurden nicht fertig, zu unkonkret. Wieder kam PANNACH in’ s Spiel, doch ich konnte ihn nicht ertragen, er war wie immer der Oberlehrer aus den 70er Jahren. Die Platte kam nie auf den Markt. Völlig frustriert saß ich wieder zu Hause. 1992 gründeten Klaus und ich mit Heinz PRÜFER an der Gitarre, Detta HERM am Schlagzeug, Robert “Gohlis“ HOFFMANN an den Keyboards und Peter “Pjotr“ KSCHENTZ eine neue RENFT- Band. Sogleich machte ich Klaus deutlich, einen Manager zu finden. Er fand einen, anfangs ging es gut, aber Sommer ’93 war der weg. Wir suchten weiter und fanden keinen, wenig Konzerte. Ab Dez. ’93 spielten wir mit neuem Drummer, Delle KRIESE. 1994 zog es mich zurück nach Leipzig und nahm das Booking in eigene Hände, es ging voran. Von Anfang an verstand ich mich mit Heinz, wir arbeiteten an meinen Songs von OSTRAVA und "Die Flut" und “Der Bauch“ kamen in’ s Programm. Mehr gelang uns und der Band nicht. Dafür brachte Peter KSCHENTZ Songs an, die nur Klaus gefielen, während ich mich auf’ s BOOKING konzentrieren musste und genug zu tun hatte, mit den Spannungen zwischen Klaus und der Band und der Band und “Pjotr“ fertig zu werden.

Als es schließlich doch noch zu einer neuen Platte kam, warst du nicht mehr dabei. Was waren die Gründe für dein Ausscheiden?

Da muss ich etwas richtig stellen. Immerhin brachten wir ’96/’97 unsere Zitronenscheibe heraus. Ein Live-Doppel-Album, was die 90-er Jahre der KLAUS-RENFT-COMBO dokumentiert. Seit 1994 habe ich Konzerte gebucht, war musikalischer Leiter der Band. Damit kam Klaus nicht zurecht, intrigierte immer häufiger, gegen alle und jeden. Es war eine schlimme Zeit, kaum auszuhalten. Um der Band eine bindende Verhaltens- und Geschäftsgrundlage zu geben, wurde ein Vertrag aufgesetzt, der die Zuständigkeiten und Rechte der einzelnen Mitglieder regelt. Ich wurde Geschäftsführer. Im Juni 1996 eskalierte die Situation. Nach einem Gig schlug Klaus unserm Keyboarder ein volles Bierglas auf den Kopf. Die Wunde wurde genäht, beide einigten sich außergerichtlich. Das Fass war übergelaufen, wir trennten uns von Klaus. Kurz davor hatten wir begonnen, unsere Live -CD aufzunehmen, Klaus hatte noch den Bass eingespielt, doch die Aufnahmen waren wegen technischer Mängel wertlos. Wir nahmen also nochmals auf, in der Moritzbastei mit Pjotr am Bass. Ein RENFT- Album ohne Klaus RENFT. So kompliziert ist das nicht, hörte ich aus dem Hause ENGERLING, nenn die Band jetzt “MONSTERS RENFT“. Zunächst kam mir das unmöglich vor, aber man zerstreute meine Bedenken und von da an hieß die Band MONSTERS RENFT. Klaus dagegen gelang es, Kuno, Gerulf und sogar Cäsar für eine neue KLAUS-RENFT-COMBO zu gewinnen. Eines Tages bekamen Pjotr und ich Besuch von Kuno, Klaus und Cäsar. Ich sollte MONSTERS RENFT auflösen, "in den Schoß der Familie" zurückkehren. Ich lehnte ab, das konnte ich meinen Jungs nicht antun, musste loyal sein, gegenüber Robert, Delle und Heinz. Nur Pjotr zögerte. Von da an gab’s zwei verschiedene RENFT’ s. Danach wurde auch P. KSCHENTZ immer schwieriger, im Spätsommer ’97 kam es zwischen ihm und mir zum Eklat. Er stieg aus und fortan spielte Janek SKIRECKI Bass. Wie ein Spuk lösten sich all die Spannungen der vergangenen Jahre auf. Dafür drohte mir Klaus in der Bildzeitung... 1998, Anker Leipzig, 40 Jahre KLAUS-RENFT-COMBO, Gerangel um die Plätze, wer spielt wann. Beide Bands standen sich feindlich gegenüber. Gutes konnte dabei nicht herauskommen. So wurde auch der Mitschnitt des gesamten Konzertes bewertet, tontechnisch und spielerisch nicht verkaufswürdig. Die Gräben zwischen der RENFT-COMBO und MONSTERS RENFT wurden sanktioniert. Anfang 1999 war ich in England und erhielt die Information, dass H. PRÜFER und D. KRIESE die neue CD der KLAUS-RENFT-COMBO einspielten, denn CÄSAR, anfangs involviert, stieg aus. Ich konnte es nicht fassen, stellte beide zur Rede. Sie beschwichtigten mich, es ginge ja nur um das Einspielen der CD. Alles Lüge, sie waren hinübergewechselt. Zwar kamen Heinz und Kuno noch mal zu mir und meinten, die neue RENFT-COMBO wäre auch eine gute Band für mich und könne meine Songs spielen. "Nein, könnt ihr nicht", sagte ich und das Band zu Heinz und Delle war zerschnitten, für mich war das Verrat.

Du hast dann dein eigenes Projekt ins Leben gerufen. Warum und mit welchen Zielen?

Matze SCHRAMM half mir, neue Musiker zu finden. Die Konzerte mussten ja weiterlaufen. Aber jetzt gab es drei RENFT- Bands, inklusive CÄSAR und DIE SPIELER. Veranstalter wie Fans waren höchst irritiert. Klaus war’s recht und billig. In der Bild-Presse klagte er, ich wolle ihm den Namen klauen, was nie meine Absicht war. Klaus kapierte nie, dass sich Bandmitglieder gleiche Anrechte und Anteile am Namen durch ihre Leistung erwarben, hatten sie diesen doch erst zur Marke gemacht. Ich kämpfte nicht um den Namen RENFT und benutzte ihn fortan auch nicht mehr. Jetzt musste ich meine CD voranbringen. Mit Hilfe des Computers konnte ich arrangieren, Streicher, Bass und Drums setzen. Von Vorteil war, das viele Sequenzen noch aus Atari-Zeiten stammten. Seit 1991 hatte ich ständig an meinen Texten gefeilt, wollte ein hohes Niveau erreichen. Zunächst produzierte ich mit Matze SCHRAMM eine Promotion CD. “Die Flut“, "Der Augenblick" und meinen alten RENFT– Song, "Als ich wie ein Vogel war" in völlig anderer Auffassung, sowie auf einigen CDs "Corinna". WEA und Sony zeigten Interesse und wieder hatte ich das Gefühl, dass etwas vorangeht! Stattdessen wurde ich Anfang 2000 mit Verdacht auf Hirnschlag ins Klinikum Neukölln eingeliefert (1997 war ich von Leipzig wieder nach Berlin gezogen), lag drei Wochen unter Beobachtung. Schlagartig wurde mir bewußt, daß alles verdammt endlich ist. Ich kündigte die Zusammenarbeit mit Matze Schramm und löste die Band auf. Kein stressiges Booking mehr und keine Konzerte. Jetzt war nur noch meine CD wichtig.

2003 war eine CD mit dem Titel "Kampf um Liebe" unter dem Banner "T.S. AGENS" in Arbeit, die aber bis heute nicht erschienen ist. Lediglich der Song "Die Mauer" wurde in drei verschiedenen Versionen als Vorab-Maxi veröffentlicht. Bitte erzähl uns etwas über diesen Song und seine Entstehung.

Musik und Textpassagen entstanden während des Mauerfalls. Seither bastelte ich an Text und Musik, mal verwarf ich alles, machte weiter, legte wieder alles weg, machte Pausen. Das Thema aber ließ mich nicht los. Endlich, 2006 hatte ich die Idee, eine Beziehungsgeschichte zu Beginn der 60-er Jahre in zwei Versionen darzustellen. Einmal fordere ich das Mädchen auf, die Mauer zu hinterfragen und mit mir in den Westen zu fliehen. Ihre Antwort, von Meike JÜRGENS gesungen, ist eindeutig. Ihr gefällt zwar die Mauer nicht, rechtfertigt sie aber, weil sie ihre Heimat schützt, so wie in den 60ern “Sag mir wo du stehst“. Daran zerbrechen beide. Raffiniert ist, dass ich in beiden Liedern fast gleiche Textzeilen nehme und durch kleinste Unterschiede die gegenseitigen Positionen aufzeige. Die 3. Version singen wir zusammen, H. PRÜFER spielt die Gitarre.

Wird das Album "Kampf um Liebe" noch irgendwann das Licht der Öffentlichkeit zu sehen bekommen?

Ich hoffe, ich finde die Zeit, daran zu arbeiten und Sponsoren für das Projekt zu gewinnen.

Wir bleiben gespannt... hier noch ein paar Fragen unserer Leser:

Wird die Band in nächster Zeit ein Album mit ganz neuen Titeln veröffentlichen?

Nein, in nächster Zeit nicht. Ich habe zwar viel Songmaterial, aber ich will es der Band nicht überhelfen. Wir setzen uns bestimmt im Frühjahr nächsten Jahres zusammen und konzipieren nicht nur neue Lieder, sondern auch neue Inhalte und Stilrichtungen. 

Gibt es noch unveröffentlichte Titel, die irgendwann noch auf CD erscheinen werden?

Von RENFT, soweit ich weiß, nein.

Könnte man sich Renft auch mal unplugged vorstellen?

RENFT hatte oft schon UNPLUGGED gespielt, wenn sich’s mal ergab. Programm war es nie. Es macht zur Zeit keinen Sinn, allein schon wegen der Umstellung meiner Akustik- auf E-Gitarre. 

Wie wäre es mit einem aktuellen Live-Album, z.B. die Aufzeichnung einer aktuellen Live-Mugge?

Derzeit interessiert uns ein System, mit dem wir auf Festplatte aufnehmen und jedes Konzert mitschneiden können. Das beste sortieren wir dann aus und können es bearbeiten. Für 2009 haben wir uns das vorgenommen. 

Wird es in absehbarer Zeit eine weitere DVD geben? (Material ist ja sicher genügend da, z.B. als historischer Abriß: RUND- Mitschnitt - 40 Jahre Renft - spätere Auftritte wie Cäsars 30jähriges, Gedenkkonzerte für Gerulf, Pjotr, Klaus und Heinz - neue Live-Aufnahmen der aktuellen Band... )

Ich glaube, das Material ist nicht gut genug, ausgenommen der RUND– Mitschnitt von 1974, der hervorragend ist und unbedingt veröffentlicht werden muss. "40 Jahre RENFT" von 1998 sollten wir nochmals durchhören, aus heutiger Sicht beurteilen. Differenzen über die Vermarktungsrechte müssten aber vorher ausgeräumt werden. Und wir sollten endlich mal eine DVD marktorientiert und nicht nur an geschichtlichen Maßstäben gemessen, herausbringen.

Wird es evtl. eine Verstärkung an den Tasten geben?

Allein die Vorstellung reizt, dass ein Keyboarder mit exzellenten Sounds sowohl das musikalische Spektrum, als auch die Dramaturgie von RENFT erweitern kann. Meine Songs sind ja strukturell so angelegt. Nur, ökonomisch können wir uns das momentan nicht leisten, und die oft gestellte Frage, “Die Flut“ zu spielen, sei hiermit beantwortet. 

Ostrock in Klassik ist ein heiß diskutiertes Thema auf renftcombo.de. Kann es aus Sicht der Band eine irgendwie geartete Zusammenarbeit geben?

Ich bin sehr enttäuscht, daß die Organisatoren nicht auf uns zugekommen sind. Ich weiß auch nicht, ob es Gespräche wegen der "Rose" mit Cäsar gegeben hat. Aber wenn man Ostrock geschichtlich darstellen will, indem man den RENFT- Song zum Programmtitel wählt, warum spricht mich dann keiner an. Ist das in dieser Branche nicht möglich oder hat niemand die Courage, der jetzigen RENFT- Band ihren ureigensten Song in die eigene Hand zurückzugeben? Nichts ist bisher passiert, ich bedaure das sehr und denke manchmal, unsere Existenz wird von Veranstaltern und Agenturen nicht wahrgenommen. Ich glaube, die RENFT- COMBO in ihrer Besetzung von 1999-2006 trug selbst dazu bei. Zu viele Negativpunkte wurden gesammelt, es ging drunter und drüber. Ich hab das nur allzu oft über die Band gehört. In sich zerstritten, spielte sie eher statisch und konzeptionell, klang unsauber und jeder sang ein bisschen mit. Das unter RENFT jetzt eine Top-Band Rock’ n roll spielt und mit der alten in nichts zu vergleichen ist, haben Fans wie Agenturen leider noch immer nicht so recht registriert. 

Monster hatte vor einiger Zeit mal öffentlich darüber nachgedacht, Marco Zimmermann als zweiten Leadgitarristen fest in die Band zu integrieren. Wurde dieser Plan (möglicherweise aus ökonomischen oder künstlerischen Gründen) wieder fallen gelassen, oder besteht weiterhin die Absicht, die Renft-Band früher oder später personell zu erweitern?

Beide Gitarristen zusammenzubringen, ihre stilistische Verschiedenheit auf der Bühne zu erleben, wäre sehr reizvoll. Doch wir haben das gleiche Problem wie beim Keyboarder. Die höheren Kosten müssten wir auf die Eintrittskarten legen. 

Wie ist das Verhältnis (aktuell) zu Karussell? Wäre vielleicht sogar mal ein Doppelkonzert möglich?

Nachgedacht wurde darüber, ebenso gesprochen. Konkretes ist nicht dabei herausgekommen. Vielleicht passiert etwas nächstes Jahr. Der Kontakt ist da, speziell zwischen Reinhard Huth und mir. Noch haben uns Veranstalter nicht angesprochen.

Bitte kommentiere folgende Schlagworte und -zeilen: 

Ostalgie Ich hasse den Begriff OSTALGIE. Von Journalisten oft benutzt, provoziert dieses Unwort den alten Bruch zwischen Ost und West. Im Kontext der Wiedervereinigung suggeriert uns jene fast imperial wirkenden Behauptungskraft des Westens über die Geschichte des Osten zu urteilen. Ernstzunehmende Kritik ist durchaus angebracht, wenn man Produkte, Kunst oder Denkbegriffe aus den Jahren 1949-1989 der DDR verwendet, um sie zu verklären. Aber finster wird’s, wenn man die Leute im Osten darauf festlegt. Keinem Künstler der Welt, auch nicht den Klassikern, unterstellt man Nostalgie. In Amerika kennt man das nicht. Man begreift Geschichte in all ihren Facetten. Wer mit RENFT von Beginn an groß wurde, lebte, liebte und litt, der will die Songs erhalten und vererbt sie seinen Kindern. Ernst wie lustig, Ossis OSTALGIE stößt Wessis WESTALGIE in’ s Herz.

18 Jahre deutsche "Einheit" Nicht vorstellbar, wenn man Deutschland wieder teilen würde, ich ginge auf die Barrikaden. Derzeitige wirtschaftliche Schwierigkeiten, insbesondere des Mittelstandes, sehe ich aber nicht vor dem Hintergrund der Einheit, sondern global. Ich hoffe nicht, dass sich ländliche Gebiete mehr und mehr ausdünnen und in etwa 20 Jahren einige Regionen Ostdeutschlands entvölkert sein werden, während sich in nur wenigen diverse Industrie- und Forschungszentren konzentrieren. Keine rosige Zukunft für ein Deutschland.

Stasi-Aufarbeitung Innerhalb unserer Gesellschaft gibt es leider keine wirkliche Aufarbeitung des Themas. Was soll man aufarbeiten, wenn ehemalige noch jüngere Stasi-Leute in Wirtschaft oder Verwaltung untergetaucht sind, oder die Alten noch immer ihren wahnwitzigen Ideen nachhängen, aber Staatspensionen erhalten. Und manche sich als Opfer, denn als Täter begreifen, nicht für ihre Vergangenheit einstehen. Das die wirklichen Opfer von 1945 bis 1989 aber immer noch um eine großzügige Rente kämpfen müssen, ist die Erbschande einer jeden neuen Bundesregierung. Auch wer sich bekennt, politisch links zu stehen, dem wird zugleich unterstellt, Positionen der DDR und ihrer Stasi einzunehmen. Die Hatz auf Linke machen alle mit, Politiker wie Medien. Ich steh überhaupt nicht links, aber mir fällt schwer, darin einen demokratischen Prozess zu sehen. 

Ostrock Gibt es wie es Westrock gibt, die Alten geben ja nicht auf. Für neue, junge Bands hat es nur den Wert einer zeitgeschichtlichen Information. 

CD- und Ticketpreise CD-Preise sind weltweit gefallen...Konzertveranstaltungen mehren sich, eine Chance für RENFT. Wie bitte? Gefallen? Wir hatten den Eindruck, daß die eher in unglaubliche Höhen gestiegen sind, so daß man sie sich kaum noch leisten kann, zumindest, was aktuelle Produktionen angeht. Da bist du mit 16, 17 Euro und mehr dabei... Neue Produktionen verteuern sich durch ihre Vermarktungsstrategien, doch die alte Library von 1950 bis 1990 liegt überall auf Halde, auf Ramschtischen. Die Plattenindustrie sagt selbst, dass der Verkauf rückläufig ist. Ob die Kopierfreudigkeit der Konsumenten zu kompensieren ist, kann ich nicht beurteilen. Viele Künstler gleichen durch Konzerte ihre Tantieme- u. Lizenzverluste aus.

Und bei Tickets?

Wenn Künstler ihre Verluste an Tantiemen und Lizenzen durch Konzerteinnahmen ausgleichen, steigen die Ticket-Preise. Im Vergleich zu RENFT- Karten geradezu phänomenal. Häufen sich die Konzerte inflationär wie derzeit, konkurrieren sie untereinander und die Ticket-Preise fallen.

Kein Wunder bei den Preisen...

Kein Mensch kann das alles sehen, hören und auch bezahlen. Jeder Bürgermeister jedes noch so winzigen Örtchens macht irgendwie sein Festchen. Da wird nichts ausgelassen, obwohl Städte und Gemeinden fast pleite sind. Die Budgets sind niedrig, an Qualität wird gespart. Covermusik und zwei, drei Leute, das war der Kulturbeitrag. Das Publikum steht ’rum, glotzt, hängt am Bier und geht dann wieder. Nach Hause. Niveau einer Kulturnation... 

Internet Ich denke an Bill Gates Worte: die größte Errungenschaft der Demokratie. Stimmt zunächst auch, denkt man an Informationsvielfalt. Nur, Spams und Trojaner sind nicht nur eine Zumutung, ich glaube, die gesamte kriminelle Energie der Menschen versammelt sich dort. Sieht man’s dennoch positiv, steht man unter Zwang sich zu entscheiden, welche Information man aussortiert und nutzt. Zurückdrehen kann man die Entwicklung eh nicht mehr. Nur den Willen zur Entscheidung kann man dadurch stärken. 

Casting-Shows Es kommt darauf an, ob die Gewinner einen seriösen Partner finden, der sie längerfristig für den Markt aufbaut und verhindert, dass sie als schneller Unterhaltungswert darin zerrieben werden. Über die unzähligen Verlierer und deren Hoffnungen spricht niemand. Einen Knacks kriegen die bestimmt weg. Trotzdem helfen CASTINGS, Talente zu entdecken und, haben sie Glück, finden sie auch einen geeigneten Manager oder Produzenten. So fließt immerfort der MAINSTREAM, wie ein nie versiegender Quell. Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde, ob dafür oder eher wie damals, nämlich Gleichgesinnte finden, in den Proberaum gehen und zusammen musizieren... 

Chemnitzer Wissenschaftler für 132 Euro/Monat Regelsatz (Hartz IV) Bestes Beispiel, wie angewandte Wissenschaft und Forschung konstant zurückbleiben. Gibt’s nicht Wichtigeres zu tun? 

KFW überweist Millionenbetrag an bankrotte US-Bank Ich unterstelle mal: in “...bankrotte US-Bank“ steckt versteckt Anti-Amerikanismus. Schließlich wollten deutsche Banken ihren Reibach machen. Hier geht’s um deutsche Interessen in globalen Finanzstrukturen. Ich schätze, die Beziehung zwischen Geld und Ware stimmt nicht mehr, Aktien nicht zum Wert ihres Unternehmens. Sie sind auch da, um Stabilität zu geben, doch verkürzt sei gesagt, Geld macht kein Geld. Eine gesunde Unternehmensstruktur vernetzt Produktion, Verkauf, Investition, Arbeitslohn, Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen. Das ist es, worum es der Wirtschaft gehen muss und auch den Banken. Kapitalismus will auf Dauer existieren, erfindet sich immer neu. Es war und ist immer zutiefst menschliche Gier, die zerstört, wie ein globaler Krieg. 

Obama oder McCain? Im Moment ist ER der Hoffnungsträger für die Welt, nicht Angela Merkel.

Warum sind eigentlich so viele RENFT-Fans so schlecht auf die PUHDYS zu sprechen?

Nicht einfach zu erklären. Ich habe schon vorhin gesagt, auch RENFT war mal eine "Staatsband" und kommt aus dem gleichen Stall. Wie RENFT, spielten auch die PUHDYS am Anfang ihrer Karriere DEEP PURPLE. Später allerdings, war ihre Haltung eher loyal gegenüber der DDR. Dabei mussten sie genauso Zensur überwinden wie RENFT. Während sich RENFT selbst in existentielle Bedrohung brachte, waren die PUHDYS geschickter. Aber das sollte man ihnen nicht vorwerfen. Auch nicht, das sie wie viele andere, keine "Helden" waren. Zumal auch RENFT zersplittert war und nie die Geschlossenheit einer Heldentruppe bildete.

Hast du Idole und wenn ja, welche?

Eher Musiken: Gregorianik, Libre Vermell, Mittelalter, Sephardische Romanzen, Gesualdo, Beethoven, Wagner, Mahler, Franzosen, Italiener, Russen, Griechen, Georgier, Norweger, Iberer, Andalusier, Araber, Inder, ob die 50er, 60er, 70er Jahre bis heute, B. Eno, U2, Radiohead Coldplay, jede Epoche fantastische Musik. Pärt, Gorecki, Jerrett, Reich, Hessenberg. Eine riesige Musikmaschine der Menschheit, in einem Bild ausgedrückt, ein "Music Planet".

Gibt es etwas in deiner Karriere, worauf du besonders stolz bist?

Auf den RUND- Live-Mitschnitt von 1974, mit "Vogel", "Schlacht", "Liebe und Zorn", ja, darauf kann ich stolz sein, auf alle RENFT’ s, wir waren absolut souverän. Und darauf, dass ich damals so couragiert war in den Westen zu gehen. Stolz wäre ich auch, wenn ich mal ein Album machen würde, das in die Charts kommt.

Und was würdest du am liebsten ungeschehen machen?

Die Zeit hilft mir zu sagen: nichts, es konnte nur so laufen.

Was ist deine stärkste und was deine schwächste Charaktereigenschaft?

Bin ich einmal von einer Sache überzeugt, dann will ich sie auch durchziehen. 2005, als man mich wieder zu RENFT holte, absolvierte ich von heute auf morgen das Programm. Nach dem Tod von Heinz PRÜFER schien alles vorbei, doch ich fand in “PITTI“ PIATKOWSKI einen exzellenten Musiker, verstand mich sofort mit ihm. Wir änderten Arrangements und brachten RENFT zum Rock’ n roll zurück. Hart und zäh kann ich auf der Bühne werden, bis zum Umfallen. Schon oft hat man mir das bescheinigt: „wo nimmt der nur seine Kraft her“. Natürlich gibt es Tage, da muss ich richtig kämpfen. Gegen diffuse Stimmungen, Niedergeschlagenheit, auch um meine Stimme, um die hohen Töne, die meisten Parts singe ich noch in Originaltonarten. Hierbei sei gesagt: Ich rauche seit über einem Jahr nicht mehr, was mir und RENFT zugute kommt! – Andererseits kann ich harte, verbale Auseinandersetzungen führen. Das ist noch nicht schlimm, aber ich steigere mich oft hinein, werde regelrecht blind und verliere meine vielgerühmte Sensibilität. Irgendwann werd ich wieder ruhig, hab dann ein schlechtes Gewissen und kann mich selbst nicht ertragen. Das passiert oft, wenn ich mich unverstanden fühle und nicht ’rüberkommt, was ich meine.

Wie würdest du jemandem, der noch nie von RENFT gehört hat, deine Band beschreiben?

Unbedingt hören, LIVE und jetzt. RENFT gilt als britischste Band Ost-Deutschlands.

Welche drei Alben würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Kann mich unmöglich für drei entscheiden, also nehme ich die Erinnerung an sie mit...

Dein größter Wunsch für die Zukunft?

Gesund bleiben, fit sein für die Aufgaben die man sich stellt und gestellt bekommt. Dazu gehört, daß RENFT weiterhin funktioniert. Auf meiner Liste stehen natürlich meine unterschiedlichsten Musikwerke und Texte bis hin zu einem Musik-Theater - und natürlich - irgendwann muss ich ja beginnen - meine Memoiren. Ich glaub, ich habe mit dem Interview schon mal angefangen und sage aber auch: ich wünschte mir mehr Genugtuung, als geschichtlich mir gegeben. Noch immer muss ich um RENFT kämpfen, wie schon in den 90-er Jahren und fühle mich zugleich als Verlierer unter diesem Namen. Trotzdem werd ich RENFT, solang wie irgend möglich, Kraft und Stimme geben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Mehr Infos zur Deutschen Mugge: www.deutsche-mugge.de

 

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