RENFT. Die offizielle Heimseite. Klaus Renft Combo
Legenden sterben nie!

Das Material ist scharf wie immer

Von Steffen Könau. Eisleben/Mitteldeutsche Zeitung. Die Bombe steckte in einem roten Beutelchen. Ein Tonband mit Liedern, die die Leipziger Renft-Combo aufgenommen hatte, obwohl sie von den DDR-Kulturbehörden gerade zwangsaufgelöst worden war. "Das war Sprengstoff", erinnert sich Thomas Schoppe, der vor 40 Jahren bei Renft sang und das heute immer noch tut.

Als er damals, 1977, versucht, die staatsfeindlichen Lieder in Sicherheit zu bringen, jagt ihn die Stasi durch die halbe Stadt. Der rote Beutel landet in einem Bahnhofsschließfach. Minuten später wird Schoppe festgenommen, die Bänder findet die Stasi nicht. Die gefährlichste Band der DDR ist da schon "neutralisiert", wie es im Stasi-Jargon heißt. Drei Mitglieder haben Bereitschaft zu künftigem Wohlverhalten erklärt, zwei sitzen in Haft, zwei sind im Westen.

Dort ist der "Sprengstoff" nicht mehr wert als ein paar Silvesterböller: Eine Platte namens "Rock aus Leipzig" versammelt die "Otto"-Ballade und den Aufschrei "Was mir fehlt" in ruppigem Proberaumsound. Zu diesem Klang ist die nach dem Tod von Gründer Klaus Renft, Gitarrist Heinz Prüfer, Geiger Pjotr Kschentz, Texter Gerulf Pannach und Sänger Peter Gläser zum Quartett geschrumpfte Gruppe mit dem Einstieg des Magdeburger Gitarristen Gisbert "Pitti" Piatkowski zurückgekehrt. Nach der Erkrankung von Mitsänger Christian Kunert steht Thomas Schoppe allein am Mikrophon steht.

Ein Platz, den der Mann, den alle "Monster" nennen, auch mit 65 Jahren wie nebenher ausfüllt, da lässt das neue Live-Album "Goes On" (Buschfunk) keinen Zweifel. Der Unterschied zum vor 20 Jahren während der Rückkehr-Tour durch die DDR aufgenommenen Album "Renft live" könnte nicht größer sein: Wo damals das "Gänselieschen" und das "Liebeslied" den berühmten liedhaften DDR-Sound wiederauferstehen ließen, lässt Produzent Eroc, einst bei den Neuton-Pionieren Grobschnitt, heute schwerere Geschütze dröhnen.

Totzukriegen sind die "Rockballade vom kleinen Otto" und "Was mir fehlt" nicht. Hier sind sie jetzt zu hören, wie sie vielleicht schon immer hätten klingen sollen, wie Schoppe meint. "Durch Improvisationen und spontane Einfälle werden die alten Songs bereichert", sagt er, "nichts wird statisch abgespielt, alles zwingt zum Hören."

Für eine Gruppe, die sich 35 Jahre lang von Nackenschlag zu Nackenschlag geschleppt hat, kein schlechtes Ergebnis. Ein neuer Geist ist in den alten Hymnen, die nur Schoppe schon in den Tagen von Walter Ulbricht gespielt hat. "Alle Musiker der Band, auch die, die inzwischen fehlen, haben sich in den Songs verewigt." Die Bombe aus dem roten Beutel, sie ist scharf wie ehedem. "Die Lieder lebten jetzt durch uns und durch die Fans weiter", sagt Thomas Schoppe.

(Quelle: Mitteldeutsche Zeitung)

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