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Legenden sterben nie!

Fans halten ihrer Kult-Band Renft die Treue

Gruppe spielt in "Alter Brauerei vor 180 Besuchern - 64-jähriger Sänger Thomas Schoppe denkt nicht ans Aufhören.

Von Dirk Trautmann.

Annaberg-Buchholz. Was gut war, kann durchaus wiederholt werden, dachten sich die Macher der "Alten Brauerei" in Annaberg-Buchholz. Deshalb verpflichteten sie nach nur eineinhalb Jahren dieselbe Gruppe für ein erneutes Konzert. Allerdings nicht irgendeine Band - sondern eine, die für DDR-Ohren jenseits von Puhdys oder Karat einen ganz besonderen Klang hatte: Renft. 180 Besucher wollten sich deren Konzert in der Kreisstadt am Samstagabend nicht entgehen lassen.

Foto: Dirk TrautmannWer selbst etwa in den 1980er Jahren mit offenen Ohren durch die noch vielen existierenden hiesigen Säle zog und auch offen war für jede Musikrichtung, hörte sie irgendwann: nachgespielte Lieder wie den "Apfeltraum" oder das "Gänselieschen". Ursprünglich stammten diese von einer Kapelle, die der ostdeutsche Staat verboten hatte und deren Name allein deswegen einen besonderen Klang hatte, eben Renft.

Die Zeit der Prüfungen war für die Musiker mit dem Ableben des Staates, der ein Auftrittsverbot erlassen hatte, aber nicht vorbei. Die Gruppe erfuhr einen ungeheuren Aderlass an Mitgliedern: Klaus Renft und Peter "Cäsar" Gläser sind dafür die bekanntesten Beispiele, bei Weitem aber nicht die einzigen Personen.

Dennoch gibt es noch einige Mitstreiter aus der mittlerweile fast verklärten Ära von Renft, die der Band nicht nur die Treue halten, sondern ganz vorn dranstehen. Da ist beispielsweise Thomas "Monster" Schoppe, Sänger ab 1970, damals von Klaus Renft persönlich ausgesucht. Auch am Samstag konnten ihn die Besucher als Sänger der aktuellen Formation Renft erleben - als solchen, der schon mal vor Publikum zum Monster wird und über Mikrofon einen Techniker zur Schnecke macht, wenn ihm das Licht auf der Bühne nicht ausreicht. Und Schoppe findet, dass die Besucher mit den Musikern gewachsen sind: "Sie sind auch älter geworden, genau wie wir. Aber die, die damals schon nicht mehr ganz so frisch waren, kommen natürlich nicht mehr zu unseren Konzerten. Denn die sind schon über 70", erzählte der 64-Jährige. Er selbst könne sich durchaus vorstellen, "noch zehn Jahre auf diesem Niveau weiterzumachen, wenn es die Stimme erlaubt". Lieder wie die "Flut" erfordern eben eine gewisse Tonhöhe. Schoppe beobachtet zudem einen Trend in die andere Richtung. "Es kommen verstärkt junge Leute um die 25 zu unseren Auftritten".

Solche waren in der "Alten Brauerei" aber die Ausnahme. Dafür kamen viele über 40-Jährige und noch mehr 60er. Bei den 60ern wurden es dann schon wieder weniger. Der Zwönitzer Gunter Hecker ließ sich den Konzertbesuch jedoch nicht nehmen. "Ich habe Renft das letzte Mal in den 70ern gesehen, in Mülsen St. Niclas, seitdem nicht wieder. Es war damals eine schlimme Zeit, als die Band verboten wurde. Sie ist einfach Kult", sagt der 61-Jährige.

Daher reisen auch heute noch Fans der Gruppe hinterher - wie der Chemnitzer Alexander Rothe. "Im vergangenen Jahr habe ich 15 Konzerte von Renft gesehen. Ich finde, in letzter Zeit ist für viele Lieder ein neues musikalisches Gewand entstanden, was die Liveauftritte immer wieder spannend macht", sagte er. Andreas Flack aus Satzung stand während des Konzerts in der ersten Reihe und ware begeistert: "Ich bin 40 Jahre lang Renft-Fan, habe sie aber noch nie live gesehen. Es hat irgendwie nie geklappt. Jetzt sehe ich sie hier - das ist meine Welt."

Interview

Foto: Dirk TrautmannDie weiteste Anfahrt zum Konzert der DDR-Legende Renft in der "Alten Brauerei" in Annaberg-Buchholz hatte der Potsdamer Peter Branscheid. Dirk Trautmann sprach mit dem 54-jährigen Fan, der wegen der Gruppe schon so manche Reise unternommen hat.

Freie Presse: Hatten Sie etwas im Erzgebirke zu erledigen oder haben Sie extra wegen Renft den weiten Weg auf sich genommen?

Peter Branscheid: Ich habe einen Kumpel in Zwönitz besucht. Das hätte ich aber nicht gemacht, wenn nicht Renft hier gespielt hätte. Also: Ich kam wegen Renft.

Freie Presse: Traut sich Renft nicht nach Brandenburg, dass Sie extra nach Sachsen kommen müssen?

Brandscheid: Das ist nicht der Grund. Ich bin einfach ein großer Fan. Im Durchschnitt komme ich auf ein Konzert pro Monat und fahre dafür beispielsweise schon mal bis Weinböhla oder Stralsund. Oder eben Annaberg-Buchholz.

Freie Presse: Das muss Gründe haben.

Branscheid: Ja. Ich kenne die Band jetzt seit 38 Jahren, habe die verschiedensten Besetzungen erlebt. Die Musik gefällt mit eben sehr gut - und die Texte finde ich auch klasse. Also fahre ich Renft hinterher, vor zwei Wochen nach Halle und jetzt ins Erzgebirge.

(Freie Presse, Annaberger Zeitung, 08.10.2010)

 

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